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  • AutorenbildJuli

Reisehighlight Kappadokien

Aktualisiert: 27. Mai 2023

Wir hatten 3 Tage von Ankara bis nach Kappadokien geplant. Heute war mal wieder einer dieser Tage, die irgendwie zäh waren. Wir hatten nach 10km schon unsere erste Kaffeepause eingelegt und nach 20 km hatte ich schon Hunger, weil wir nicht allzu viel zum Frühstück hatten. Deswegen gab es schon relativ früh ein Omelett an einem Tankstellenrestaurant. Danach wollten wir noch 60-80 km zurücklegen, was mir unglaublich anstrengend an diesem Tag erschien. Aber wir hatten mal Glück. Denn ein netter Lastwagenfahrer hatte wohl noch ein wenig Platz auf dem Hänger und hat angeboten, uns ein Stück mitzunehmen. Das war wirklich praktisch, ich konnte ein Nickerchen machen und schwupp waren 80 km vergangen. Als Bezahlung mussten wir ein Selfie machen, wobei er mir ganz schön nahe kam. Was lässt man nicht alles durchgehen, nur um ein paar Kilometer zu sparen. Er ließ uns am Toz Gülö (=SalzSee) raus, wo ein Großteil des Salzes für die Türkei abgebaut wurde. Natürlich gab es hier auch wieder jede Menge Touristengeschenke und Kosmetikartikel diesen besonderen Salzes zu erwerben.

Aber wir waren gut gelaunt und wollten noch ein paar Kilometer machen. Vor einem Einkaufsladen trafen wir wieder zwei deutsche Bikepacker, die auf dem Weg nach Singapur waren. Wir tauschten unsere Nummern aus, eventuell konnten wir uns noch nützlich sein. Anschließend fuhren wir parallel weiter und überholten uns gegenseitig. Unser Nachtlager schlugen wir dann in einer großen Mulde auf, das sich als ausgetrockneter See herausstellte, direkt neben dem großen Salzsee.

Unsere erste Anlaufstelle in Kappadokien sollte die Stadt Derinkuyu sein. Bis dorthin hatten wir noch 50km zurückzulegen und Marc musste mal auf Toilette und suchte sich einen Graben aus, weil es auch keine andere Alternativen gab. Der Schlamm darin sah getrocknet aus, aber das war leider nur oberflächlich. So sank er bis zu den Kniekehlen in Gülle ein. Bei mir löste es einen unglaublichen Lachausfall aus, den ich aber später bereute. Denn trotz mehrmaligem Auswaschen und Waschen in der Maschine, gingen die Gerüche nicht raus. Und noch viel schlimmer, alles was in der Maschine mit den Socken gewaschen wurde, hatte nun einen dezenten Güllegeruch, der mit bei jedem Tritt auf dem Rad in die Nase stieg. Naja, zuerst dachten wir, dass wir in 6km bei einem See sind, an dem er dann seine Füße samt Schuhe einfach waschen kann. Bis dahin fuhr er dann barfuß. Aber der schöne Kratersee Narligöl hatte doch etwas zu wenig Wasser bzw es wäre eine längere Wanderung gewesen, um ans Wasser zu kommen. Es wurde auch plötzlich recht frisch und begann zu nieseln, sodass wir schnell weiterfuhren.

Kurz danach fanden wir einen Brunnen, an dem dann alles gründlich ausgewaschen wurde. Gerade als wir loswollten, begann es plötzlich zu hageln und wir hatten keinen Unterstand. Aber es waren nur kleine Körner und nach etwa einer haben Stunde machten wir uns wirklich an unser Ziel Derinkuyu. Dort angekommen gab es erstmal Cigköfte für uns and dann ging es zur Besichtigung der unterirdischen Stadt, weswegen wir hierhin gefahren sind. Es gibt in ganz Kappadokien viele dieser unterirdisch angelegten Städte, wobei Derinkuyu bis jetzt die Größte sei. Der Eintritt war bei über 10 Euro pro Person relativ teuer für uns, aber es war es wert. Die Höhlen und unterirdischen Konstrukte wurden zuerst für Tiere zum Schutz vor der Kälte und der Hitze erbaut, denn das Gestein besteht aus Tuff, was sehr leicht zu bearbeiten ist. Die Bevölkerung waren hier damals Christen und als sie von den Römern verfolgt wurden, wurden die unterirdischen Höhlen als Verstecke genutzt und sind mit der Zeit zu großen Städten gewachsen. Bis zu 15.000 Menschen konnten darin leben. Wir waren echt begeistert von dieser Bauart, es ging bis 80 Meter tief in der Erde. Niemand hatte uns gewarnt, wie eng es darin sein würde. Teilweise mussten wir komplett gebückt die Treppen hoch und runterlaufen und es gab unendlich viele Tunnel, die dann in Räume führten. Wir fanden auch Löcher in den Ecken, woran die Tiere gefestigt wurden und mit Rollsteinen konnten die Gänge von innen blockiert werden. Wir waren auf alle Fälle sehr angetan und verbrachten über eine Stunde in diesem Labyrinth. Danach gingen wir nur noch in einen Park, von dem wir hörten, dass wir dort campieren konnten. So recht gefiel uns das nicht inmitten der Stadt, aber wir hatten weder Lust Geld für ein Hotel zu bezahlen, noch wollten wir weiterfahren. Denn hier hatten wir zumindest überdachte Sitzmöglichkeiten, da es ständig leicht regnete. Beim Kochen haben uns wieder ein Rudel Kangale besucht, die gehofft hatten, ein wenig Essen abstauben. Gerade als wir unser Zelt aufbauen wollten, machte der Ordnungsmann des Parks nochmals seine Runde. Wir befürchteten, dass er uns wegschickte, aber Türkei ist nicht gleich Deutschland. Beschwichtigend zeigte er uns, dass alles OK sei.

Die Überraschung kam am Morgen als um 8 Uhr die Sprinkleranlage anging. Der Gärtner rettete uns aber noch rechtzeitig vor dem Nasswerden, indem er schnell den Sprinkler abstellte, der unserem Zelt am nächsten war. Somit musste das Zelt in Windeseile abgebaut werden, was aber den Vorteil hatte, dass wir zumindest wach waren. Durch den Umweg über Derinkuyu fuhren wir über sehr kleine Landstraßen nach Kappadokien. Wir passierten ein paar Minidörfer bis zu der kleinen Felsenstadt Mustafapasa. Hier sahen wir die ersten Gesteinsformationen mit kleinen Türen und Fenstern und das kleine Touristendörfchen, welches auch halb in den Fels geschlagen war. Es gab hier sehr viele Höhlenhäuser, wovon viele auch zu Cave Hotels umgebaut wurden. Leider lagen diese nicht in unserem Budget und wir fuhren daher über Ürüp nach Göreme, dem eigentlichen Zentrum von Kappadokien. Hier gab es sehr viele Hotels und auch schöne Campingplätze. Der Weg dorthin ließ uns nicht schlecht staunen. Alles war voller dieser tollen Gesteinsformationen, hauptsächlich stehende Balkenfelsen und Dreiecksfelsen. Wir fuhren auch an Aussichtsplattformen vorbei, die einfach unglaublich schön waren. So eine tolle Weitsicht auf eine atemberaubend schöne Landschaft. Die Wolken setzen dem ganzen das Krönchen auf. Nach Göreme ging es mit wahrscheinlich 20 % extrem steil runter. Hier war alles voller Touristen, es gab plötzlich überall Pferde und sogar Kamele, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Auch Quadfahren gehörte hier zu einem beliebten Tourisport, sowie Mountainbiking und Motorrad fahren durch die verrückten Felsentrails. Hierzu haben wir im Vorfeld unserer Reise ein tollen Clip gesehen, der die Stimmung des besonderen Ortes sehr gut einfängt: Follow the light: https://www.youtube.com/watch?v=ih1X0IMYi-I

Wir wählten auf Empfehlung anderer Reisenden den Panorama Camping Platz, dessen Name Programm war. Er lag etwas höher und man hatte eine tolle Aussicht, was wir vor allem am nächsten Morgen erfuhren. Eine Nacht kostete uns hier so viel wie sonst in der Türkei in einem Hotel, ca. 23 Euro, aber so war das nun mal. Wir wollten ja auch wandern gehen, und somit konnte man die Räder sicher stehen lassen. Zudem hatte der Campingplatz eine Küche, wo wir am Abend direkt Martin und Sandra, ein deutsches Bikepacker Ehepaar aus Vaihingen kennenlernen durften (und auch noch andere tolle Reisende. Wir waren insgesamt 6 Radreisende und 2 Hitchhiker). Es tat gut, sich mit den anderen austauschen zu können. Natürlich auch um Tipps bezüglich Wanderungen und Routen zu bekommen.

Am nächsten Morgen erwachten wir dann von der Unruhe auf dem Zeltplatz um 5 Uhr. Denn um diese Uhrzeit stiegen die bekannten Heißluftballone im ganzen Tal vor uns langsam auf. Es ist ein ganz besonderer Moment, das zu erleben und zu beobachten. Zuerst ist es noch recht dunkel und man sieht nur ab und an was aufleuchten, wenn die ersten Ballone Gas gaben, um nach oben zu steigen. So flammte es immer wieder auf und die ersten Ballone waren im Himmel.

Wie wir von Sandra und Martin später erfuhren, stiegen an diesem Morgen 150 Ballone auf. Und wir waren überrascht, wie viele Leute in den Ballonen Platz fanden, als einer so nah über unsere Köpfe segelte, dass wir den Insassen winken konnten. Ein Korb konnte bis zu 28 Leute tragen. Und eine Ballonfahrt kostet 200 Euro pro Person, was die günstigste Option war. Somit wurden wohl an diesem Morgen mindestens 840.000 Euro eingenommen. Einfach nur absurd. Hier werden auch Fotoshootings veranstaltet. Frauen mit den schönsten Abendkleidern standen an den Hügeln und in den Hotels um das perfekte Bild mit dem Sonnenaufgang und den Ballons zu bekommen. Nach einer Stunde ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei und die Sonne aufgegangen. So schnell, wie die Ballons auftauchten, waren sie auch schon wieder verschwunden. Wir verkrochen uns nochmals ins Zelt, konnten aber nicht mehr einschlafen. Beim Frühstück bekamen wir dann die Perspektive von Sandra und Martin erzählt, die eine Ballonfahrt mitgemacht haben. Es war wohl eine unglaubliche Stimmung, aber eine totale Kaffeefahrt. Überall musste man sich beeilen und hier und dort in die Kamera lächeln, und die Bilder konnte man später zusätzlich zu den 200 Euro erwerben. Aber die beiden waren trotzdem sehr begeistert. Für uns war der Reiz selbst mitzufahren gar nicht da, wir genossen es einfach nur zuzuschauen.

Nach einem ausgedehnten Frühstück machten wir uns dann auf zu unserer Wanderung. Es ging direkt vom Campingplatz los, und schon hier war die Weitsicht grandios. Man sah den Berg Aktepe und dahinter einen schneebedeckten Berg. So wanderten wir durch das Love Valley, wo wir beide direkt loslachen mussten, als wir die absurden Gesteinsformationen erblickten, die einfach eine enorme Ähnlichkeit mit riesigen Penisse hatten. Der Wanderpfad ging an den Felsen durch das Tal an einem kleinen Bach entlang und wir begegneten nur einer Handvoll Menschen. Anschließend erreichten wir die Felsenstadt Uçhisar, wo wir erstmal eine Pause einlegen mussten. Marc fühlte sich nicht so gut, aber nach einem kleinen Mittagessen ging es weiter über das Dove Valley (Taubental) zurück. Immer wenn man denkt, es wird nicht mehr schöner, wird man hier eines besseren belehrt. Wir waren komplett allein in dem Tal, wunderschön geschwungene rosa Felsen und viel unberührte Natur um uns herum. Es war nicht nur eine unglaublich schöne Wanderung, endlich hatten wir auch mal richtig gutes warmes Wetter und nach 17 km kamen wir glücklich aber fix und fertig auf dem Campingplatz an.

Nach einer Dusche legte Marc sich erstmal hin, so langsam machten wir uns Sorgen, dass er immer noch nicht fit war. Ich machte mich daran, jemanden auf Warmshowers zu finden, der uns helfen konnte einen Arzt in der nächsten Stadt aufzusuchen. Am Abend kochten wir dann zum Abschluss noch zusammen mit Sandra und Martin Nudeln aglio e olio, teilten interessante Nachtische und signierten über Radreisen im Allgemeinen.

Am letzten Morgen auf dem Camping genoss ich allein mit den anderen Campingplatzgästen nochmals das Schauspiel der Ballone. Wir hatten beschlossen, doch schnell wieder weiterzufahren, da wir in der Stadt Kayseri hofften, einen Arzt zu finden. Abschließend muss man sagen, dass Kappadokien wirklich ein riesen Highlight auf unserer Tour war. Wenn nicht sogar (zumindest für mich) der schönste Ort der Reise. Man kann hier so viel unternehmen, so viele Wanderungen machen, Felsenstädte besuchen und die Ballone am Morgen bewundern. Kappadokien hat sehr viel zu bieten und ist absolut empfehlenswert. Auch wenn es ein Touristenhotspot ist.

Wir hatten noch ein gemütliches Frühstück mit den anderen Campinggästen und fuhren dann relativ spät um 10 Uhr los nach Kayseri. Es waren 70 Kilometer geplant, aber kurz nach der Abfahrt bekam ich eine positive Rückmeldung eines Warmshower Gastgebers. Wenn wir vor 15 Uhr am Stadtkrankenhaus sein könnten, würde Marc heute noch untersucht werden. Somit führen wir ohne Pause und Mittagessen ins Krankenhaus und schafften es gerade noch rechtzeitig. Aber immerhin hatten wir eine tolle Aussicht, denn obwohl die schöne Landschaft von Kappadokien schon aus unserem Sichtfeld verschwunden war, tauchte von uns der Vulkan Erciyes auf. Er ist mittlerweile inaktiv und eines der größten Skigebiete in der Türkei.


Im Krankenhaus brachte Levent (unser Warmshowers Gastgeber) ihn dann zum Lungenfacharzt. Auf unsere Bitte ein Blutbild zu machen, ging dieser aber leider nicht ein. Er machte ein Röntgenbild von der Lunge, die in Ordnung schien und schrieb ihm Medikamente auf. Nach 3 Tagen solle es ihm wieder besser gehen. Das war alles. Obwohl wir ihm sehr dankbar für die Hilfe und das Dolmetschen waren, kam uns das etwas suspekt vor. Levent, der selbst Arzt im Krankenhaus war, nahm uns dann noch zu seiner Familie mit nach Hause. Seine Frau kochte und wir hatten ein gemeinsames Abendessen. Wir teilten das Gästezimmer mit Karen, einem weiteren Gast. Karen war Engländerin und es war ihr 1. Tag als Bikepackerin in der Türkei, weswegen sie etwas nervös war und sie musste noch einiges am Rad montieren. Doch sie bekam natürlich Unterstützung von Marc, der es erst sehr amüsant fand, dass ihre Bremsen falschrum montiert seien. Aber das war wohl absolut korrekt, da die Engländer wohl auch am Fahrrad rechts und links vertauschten. Die Nacht verlief total ruhig und am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns alle und Marc und ich machten uns erstmal ein großes Rührei mit Brot im Park. Dort wurden wir, wie so oft in der Türkei oftmals angesprochen und uns wurde Guten Appetit gewünscht. Ein Herr zeigte allerdings mit Hochdruck auf sein Handy, worin er uns sich als Bikepacker zeigte. Er sei Mitglied eines Fahrradvereins und fragte ob wir Hilfe benötigen. Wir mussten gerade sowieso Zeit totschlagen, bevor wir ins Hotel einchecken konnten. So fragten wir ihn, wo wir denn unsere Räder putzen könnten. Daraufhin holte er sein Rad und brachte uns zu seinen Verein, schloss uns auf und ließ sogar den Schlüssel da. Wir konnten in Ruhe putzen, Fahrrad durch checken und Ketten wechseln. Wobei ich die meiste Zeit geschlafen habe. Aber Marc hat ja auch Spaß dabei. Anschließend checkten wir in ein günstiges Hotel ein, denn es war Regen vorhergesagt für die nächsten 2 Tage und Marc sollte sich sowieso ausruhen. Das war auch alles was dann so passierte, außer dass wir abends noch lecker Essen gingen. Kayseri war nämlich bekannt für die türkischen Ravioli Manti und die schmeckten hier wirklich hervorragend. Und wir hatten Dank des Ausruhens Zeit uns Gedanken über die zukünftige Route zu machen und waren zu einer guten Lösung gekommen. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen.


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