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  • AutorenbildJuli

Land der Sonne

So wird Armenien eigentlich genannt. Die ersten Tage hatten wir davon leider nichts gemerkt, dass sollte sich jetzt aber ändern. Wir entschieden uns über den Sewansee zu fahren, denn es sollte heiß werden und da lockte uns die Abkühlung im See. So ging es zu einem der größten Gebirgsseen der Welt. Der See ist nämlich doppelt so groß wie der Bodensee und dient somit auch als Trinkwasserversorgung des Landes. Zudem ist es ein beliebtes Urlaubsziel mit dem türkisblauen Wasser. Der Weg dahin war leider eine sehr stark befahrene Straße und ging zum Teil auch steil berghoch. So war es ziemlich unangenehm, wenn sich direkt neben uns ein uralter sowjetischer LKW (ZIL-130) den Berg hoch quält und dabei eine ungefilterte schwarze Wolke hinterlässt. Wir verbrachten eine Nacht direkt an einem kleinen Strand, und gingen davor auch noch kurz baden. Jedoch war das eher unangenehm, da auf dieser Höhe der Wind relativ stark fegte und die Temperaturen somit gar nicht mehr so einladend für das Bad waren. In der Nacht überraschte uns ein heftiges Gewitter. Ein Blitz musste wohl in unmittelbarer Nähe eingeschlagen sein, so laut hatten wir das noch nie wahrgenommen. Unser Zelt hielt erfolgreich dagegen an. Am Morgen hatten wir großes Glück, denn für ca. 1 Stunde war die Sonne draußen und so konnten wir ein trockenes Zelt verpacken. Nachdem wir ein paar Kilometer weiter fuhren, brach das nächste Gewitter über uns herein. Neben einem Kiosk stand ein Pavillon, so dass wir hier im Trockenen erstmal frühstücken konnten. Danach fuhren bei bestem Wetter das Südufer des Sewansees entlang. Es ist gesäumt von Ruinen und einladenden Picknickplätzen, sowie alten Kirchen und Kloster. Eine wirklich sehr schöne Kulisse.

Die Leibspeise der Armenier ist Gegrilltes: Fisch, Fleisch oder Gemüse, alles kommt auf den Grill. So gönnten wir uns einen gegrillten Fisch mit Kartoffeln, was wirklich hervorragend schmeckte. Anschließend ging es dann noch weiter hinauf, wo wir einen wunderschönen Campingspot für die Nacht mit genialer Aussicht hatten (Bild siehe oben). Aber der darauffolgende Tag war auch besonders schön: Marc musste noch telefonieren am Morgen und so fuhr ich alleine los. Ganz ohne Hektik konnte ich so anhalten wann und wo ich wollte und die Natur um mich herum bewundern. Alles blüht hier auf durch den vielen Regen. So viele Blumen in freier Natur habe ich noch nie gesehen. Am höchsten Punkt holte Marc mich dann ein und stießen nach einer kurzer Abfahrt auf die Karawanerei. Dies ist ein Relikt aus den Zeiten, als die Strecke noch Teil der Seidenstraße war und wurde als Zwischenstopp und zur Erholung genutzt. Von hier aus hatte man eine herrliche Aussicht. Die Serpentinenabfahrt war definitiv einer der Highlights von Armenien. Wir steuerten schon gegen 13 Uhr einen tollen Campingplatz an, um ein bisschen was am Laptop zu arbeiten. Dort ließ es sich sehr gut aushalten und die Küche lud zum Kochen ein. So gab es leckere Nudeln mit Zucchini an einer Buttersoße.

Am nächsten Morgen stellten wir noch den Bericht fertig und kamen erst gegen 12 Uhr los. Und bei uns ist nun auch endlich der Sommer angekommen. Es war sehr heiß und man war in 5 Minuten komplett nass geschwitzt. Dabei ging noch berghoch, aber es war wirklich eine schöne Route. Gegen 18 Uhr peitschte uns so stark der Wind ins Gesicht, was uns bei 6% Steigung zum vorzeitigen Erliegen brachte. Daher suchten wir uns etwas mit Windschutz. Wir fanden 3 Häuschen mit einer überdachten Picknickecke, in der wir perfekt nur die Isomatte ausrollen konnten. Natürlich wollten wir erstmal um Erlaubnis fragen, aber leider war niemand zu Hause. So kochten wir vorerst und hofften, dass der oder die Besitzer kamen. Da aber niemand kam, gingen wir gegen halb 10 schließlich mit einem mulmigen Gefühl ins Bett. Natürlich gewitterte es um 0 Uhr, sodass wir unsere Köpfe wieder ins Trockene bringen mussten und unsere Isomatte um ein paar Zentimeter nach unten verschoben. Gegen 1 Uhr nachts kam dann der Besitzer des Hauses und lief wild hin und her, ließ den Motor aufheulen und das Licht brennen. Aber irgendwann fanden wir dann auch in den Schlaf und am Morgen zeigten wir uns dem Hausherrn, der uns direkt Kaffee anbot. Nach unserem Frühstück ging es weiter auf einem Pass mit ca. 2350 Meter Höhe und anschließend über unendliche Weiten nach unten.

Armenien ist wirklich ein hübsches Land. So wenig Einfluss durch den Menschen auf die Natur, und abseits auch kaum bewohnt. Wir hatten heute einige Attraktionen auf dem Weg und das nächste war ein ziemlich großer Wasserfall, der Shaki Wasserfall. Komoot legte wieder geniale Routen durch den Wasserfall, was natürlich nicht ging und wir deswegen wieder zurück fahren mussten. Aber es hatte sich gelohnt. Zudem gab es eine gelungene Abkühlung durch leichtes befeuchten des Wasserfalls. Oben liegt ein Stausee und der Wasserfall ist daher künstlich angelegt und wird in der Nacht abgeschaltet. Durch den Umweg kamen wir durch einige Dörfer: die Menschen sind wirklich sehr freundlich und grüßen uns immer. Auch die Kinder sind hier so lieb und wohlerzogen, ganz anders wie wir es von anderen Ländern kennen. Armenien fühlt sich für uns sehr sicher an, vielleicht liegt es ja am strengen Glauben?! Zudem meinen wir, dass Armenien als Urlaubsziel gänzlich zu kurz kommt. Gerade Wanderer, Angler und Geschichtsbegeisterte kommen hier auf ihr Kosten. Nach dem Wasserfall kauften wir in der gemütlichen Stadt Sassian ein und wir änderten kurzfristig die Route aufgrund einen Schlafplatzes mit Badepotential. Daher lag als nächstes ein tolles Kloster in der Bergen auf unserem Weg: Vorotnavank, ein ganzer Klosterkomplex mit Armenhaus und Friedhof auf einem Bergrücken mit Blick auf die Vorotan-Schlucht. Wir trafen nur einen lieben Wachhund an, der sich sichtlich freute uns zu sehen. Anschließend war der Nachmittag schon fortgeschritten und wir fassten das Ziel des Tages ins Auge: heiße Quellen im Ort Vorotan. Es war zwar ein sehr heißer Tag, aber der Wind pfiff auf unserer Höhe extrem und da freute man sich auf einen nicht eiskalten Bach. Als wir ankamen waren eine größere Männergruppe und eine Familie bereits vor Ort. Gleich wurden wir freudig begrüßt und auch ein Schnaps musste getrunken werden. Wir stiegen aber sofort ins warme Becken, welches angenehm sprudelte und auch wie Sprudel schmeckte. Die Temperatur wurde von uns auf nur 25 Grad geschätzt, also gerade perfekt. Nach dem Bad suchten wir uns dann doch abseits einen Campingspot, da wir befürchteten, noch mehr Schnapse trinken zu müssen und auch die Partymusik am Freitagabend uns lange wachhalten könnte. So fanden wir 3km weiter einen tollen Platz direkt am Fluss mit Picknickbänken, Mülleimer und Bachzugang.

Der Morgen war ziemlich bewölkt. Was ok war, wenn man einen 20 Kilometer Anstieg vor sich hatte. Leider waren wir bald komplett in den Wolken gefangen und sahen kaum noch was. Zwischendurch hatten wir sogar etwas Regen. Zum Glück war die Straße noch so neu, dass uns kaum Fahrzeuge begegneten. Später bemerkten wir, dass die Straße sogar von der anderen Seite noch gesperrt war. Als Highlight der Route schmiss mir ein LKW Fahrer ein Bounty entgegen, welches ich dankend annahm. Die Abfahrt war dann wie eine Geisterfahrt, durch den Nebel hing die Brille mit Tropfen voll und ohne Brille konnte man aufgrund des Regens auch nicht fahren. So erreichten wir das malerische Tatev, und erkannten rein nichts. Nicht mal das Kloster war sichtbar, was direkt am Ortseingang stand. Wir mussten erstmal ein Café aufsuchen und uns aufwärmen. Dort entschieden wir uns, eine Unterkunft zu nehmen, denn bei dem nassen und kalten Wetter machte es absolut keinen Spaß zu fahren und wir konnten nicht mal das tolle Kloster in Tatev bewundern. Wir fanden ein schönes Gästehaus, wo wir sofort mit Tee und Kuchen versorgt wurden. Ich machte dann noch eine Wanderung zu der Teufelsbrücke in der Vorotan-Schlucht mit tollen Grotten und warmen Quellen.

Der halbe Tag Ruhe war super, denn am nächsten Morgen strahlte uns die Sonne ins Gesicht. Wir bekamen nun auch die tollen Berge der Umgebung zu Gesicht, wie eine ganz andere Welt. Wir fuhren die 500m zum Klosterkomplex von Tatev, welches auch eine sehr bekannte Universität war. Die Aussicht und die Anlage waren auf alle Fälle sehr beeindruckend. Danach ging es wieder weit nach oben und wieder ganz runter. Es stand uns der letzte Pass bevor, wo es 1500 Höhenmeter hoch hing auf 2535m. Diesen splitteten wir und fanden noch einen schönen Campingplatz am Fluss abseits der Straße. Die Umgebung hatte sich von Wiesen nun plötzlich in Wälder verwandelt. Hier ist auch noch der Kaukasische Leopard heimisch, der aber vom Aussterben bedroht ist. Am nächsten Morgen mussten wir mit gemeinsamer Kraft unsere Räder erst wieder auf die Straße schieben und dann ging es einfach nur nach oben. Über 1000 Höhenmeter bei 35 Grad, das war ganz schön hart. Vor einem Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals solche krassen Pässe bezwingen könnte. Ich bin eben eher eine gemütliche Sportlerin. Das zeigt mir deutlich, was man alles schaffen, wenn man sich ein Ziel setzt und es einfach versucht. Oben angekommen war ich extrem stolz und die Abfahrt konnte in vollen Zügen genossen werden. Plötzlich änderte sich das ganze Klima, es war drückend heiß und karge spitze Felsen umrandeten uns. Es war wie ein Föhn, der mit jedem Meter runter immer heißer wurde. Wir trafen einen Bikepacker, der hier auf sein Iran Visum wartete. Hier bemerkten wir, wie viel Glück wir hatten. Unseres wurde doch so leicht bewilligt und war 2 Stunden nach Antrag bereits fertig. Nicolai, der Bikepacker kam aus Dänemark und machte einen etwas anderen Triathlon um die Welt. Mit dem Rad nach Singapur, anschließend mit dem Tretroller durch Australien und zu guter Letzt laufen in Amerika. Aber er wartete nun seit 3 Wochen und wollte nun einfach schnell in den Iran. Auch andere Reisende machten derzeit die Erfahrung, dass es sehr schwierig ist ein Visum zu bekommen. Warum weiß niemand. Wir wollten an dem Tag noch die letzten Dinge im Internet erledigen und bereiteten uns auf den Iran vor. Dazu dann mehr, wenn wir wieder Internet im Iran haben. Mit gemischten Gefühlen betreten wir das Land, soll es doch so voller Gastfreundschaft und interessanten Gebräuchen sein aber doch so ganz anders wie andere Länder.


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