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  • AutorenbildJuli

Wunderschönes Jordanien


Nach Petra war unser nächstes Ziel das Tote Meer. Auf dem Weg dorthin lagen noch zwei Attraktionen, die wie vieles andere im Jordanpass enthalten waren. Dementsprechend haben wir unsere Route angepasst. Fast jeden Tag über 1000 Höhenmeter mit teilweise krassen Anstiegen, wobei wir auch oft schieben mussten. Eine nette Abwechslung gab es nach der Besichtigung der Ruine in Shobak bei einem Beduinen. Er besitzt ein kleines Café und außerdem das kleinste Hotel der Welt: ein kleines Auto, in dem man zu zweit schlafen kann. Nach einem starken Kaffee ging es am späten Nachmittag weiter bergauf in das Dana Naturschutzgebiet. Der 5km lange Umweg lohnte sich gewaltig. Mit den letzten Sonnenstrahlen genossen wir die wunderschöne Aussicht in dem Wandergebiet. Nach dem Essen war es bereits dunkel und wir verkrochen uns gerade ins Zelt als wir plötzlich nur wenige Meter neben uns Wolfsgeheule wahrnahmen. Ganz schön unheimlich. Google klärte uns auf, dass wir tatsächlich in einem Wolfsgebiet waren, denn der Arabische Wolf war hier ansässig. Aber es ist ein relativ kleiner Wolf, der sich an die Wüste mit seiner Körperstatur angepasst hat. Wir versuchten einen Blick auf sie zu erhaschen, aber typisch für den Wolf floh das Rudel zugleich, da sie den Menschen eher meiden. Die Nacht verlief gut und morgens waren wir noch mehr von der Aussicht begeistert. Wir entdeckten erst beim Rausfahren, dass es einen offiziellen Eingang mit Besucherhütte gab. Dort bestätigte uns der Ranger, dass er gestern Wölfe gehört hat.


Für uns ging es dann weiter mit den Höhenmetern. Durch die App "iOverlander folgten wir Empfehlungen anderer Reisenden, die auf einer Karte markierten, wo sie geschlafen haben. So fanden wir für diese Nacht eine ganz besondere Unterkunft bei einer Beduinenfamilie. Herzlich wurden wir herbei gerufen mit "welcome, welcome". Also fuhren wir runter und wurden fast von den Hunden angefallen, die unseren Besuch gar nicht mochten. Nayel, der Besitzer dafür umso mehr. Stolz erzählte er uns, dass er 270 Schafe und Ziegen besitzt, sowie 2 Pferde, einen Esel und 10 Hunde. Zudem habe er 5 Ehefrauen und 16 Kindern von ihnen. Ehefrau Nr. 3 lernten wir kennen. Sie kochte uns erstmal Tee, während wir draußen zwischen den ganzen Tieren auf dem Teppich saßen. Gleich stand fest, dass wir hier unser Zelt aufbauen durften. Hungrig vom Tag kochten wir uns schnell unsere Nudeln und blödelten ein wenig mit den Kindern herum. Sie waren sehr neugierig und wollten unbedingt unsere Fahrräder testen. Langsam dämmerte es und wir wurden in ihr kleines Beduinenzelt eingeladen. Im ersten Moment fühlte es sich so an, als würde man eine Sauna betreten, denn es brannte ein kleiner Benzinofen, wo aus einem Behälter alle paar Sekunden ein bisschen Benzin hinein tropfte. In einer Ecke lagen unzählige Matratzen und Decken aufeinander gestapelt. An den Zeltstangen hingen Küchenutensilien wie Topfe und Pfannen, darunter stand ein kleiner Gasherd, worauf uns

seine Ehefrau ein tolles Abendessen zauberte. Wir waren etwas irritiert, als wir am warmen Ofen auf dem Boden saßen und unser zweites Abendessen einnahmen, während der Rest eher verhalten daneben saß und uns beobachtete. Lediglich Nayel aß ein paar Happen mit, sonst niemand. Dabei fühlten wir uns schlecht, denn wir wussten, wie diese Menschen leben, aber das ist die arabische Gastfreundschaft, von der wir schon oft gehört haben. Es war so wunderbar gemütlich und warm in dem kleinen Zelt, dass wir gar nicht mehr raus wollten. Verständigung war meist nur über den Google Übersetzer und Arabischer Tastatur auf dem Handy möglich. Nayel versuchte über Marc noch herausfinden, wie er an eine deutsche Frau kam und wann wir denn wieder zurück kommen würden. Wir entkamen den teils unangenehmen Fragen, indem wir uns mit Müdigkeit entschuldigten.

Die Nacht war recht turbulent. Die Hunde waren ständig am Bellen und das direkt neben unserem Zelt. Um 5 Uhr rief Nayel sehr laut sein Gebet wie der Muezzin aus und um 6 waren dann auch schon die Kinder am Spielen. Als wir um 8 Uhr dann aus dem Zelt krochen, waren diese bereits in der Schule. Wir bekamen noch Tee mit Gebäck und begnügten uns mit den süßen Zicklein. Danach hieß es Abschied nehmen und wir mussten Nayel noch versprechen, dass wir nach der Reise mindestens 2 Kinder machen.

Es ging weiter berghoch und zu Mittag erreichten wir das Schloss Karak, welches 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt und man daher eine hervorragende Aussicht hat. Dann ging es nur noch bergab zum Toten Meer, welches ca 400m unter dem Meeresspiegel liegt. So hatten wir über eine halbe Stunde ohne zu strampeln. Wirklich eine Wohltat nach den letzten 2 Tagen. Dort kauften wir noch Vorräte und suchten uns anschließend einen Schlafplatz. Wir wollten mal einen Tag bzw. zwei Nächte das Zelt stehen lassen und uns entspannen. Und wir fanden den perfekten Platz. Umschlossen von großen Steinhaufen war unser Zeltplatz gut versteckt. Am Morgen gab es endlich mal Rührei (eine Abwechslung für uns), da wir am Abend zuvor am Straßenrand von lokalen Bauernkinder Eier abgekauft und diese vorsichtig in unser Camp transportiert haben. Danach machten wir uns zu Fuß auf den langen Weg nach unten zum Toten Meer. Das Tote Meer verliert immer mehr an Wasser, weil der Fluss Jordan zu wenig Wasser zuführt. Man sieht deutlich, wo der See mal war, mal wieder ein trauriges Bild das Klimawandels. Die Temperatur der Luft sowie des Wassers war sehr angenehm.

Wir waren komplett allein und es war super entspannend. Leider klappte das Trocknen nicht so gut und wir hatten auch nicht genügend Wasser für eine Dusche dabei, wer schon mal im Toten Meer baden war, weiß wahrscheinlich, dass sich der hohe Salzgehalt wie Öl auf der Haut anfühlt und auch einfach nicht einzieht. Das war etwas unangenehm, aber auszuhalten. Zudem gab es ziemlich viele Fliegen und daher spannten wir mal unser Fliegennetz im Freien aus und genossen darunter den Tag. Unser Solarpanel platzierten wir tagsüber immer der Sonne ausgerichtet, so dass uns auch nicht der Strom ausging. Den Tag darauf ging es an der Küste entlang, Marc badete nochmals im Toten Meer und wir fanden auch noch heiße Quellen eines Flusses, in dem man sich entspannen konnte. Am Meer war es relativ warm, in der Sonne gefühlt 30 Grad. Zwei Tage zuvor haben wir noch Schneereste an den Straßen entdeckt. Das Klima ist hier wirklich sehr unterschiedlich. Auf dem Weg zur nächsten Stadt warteten dann wieder 1800 Höhenmeter auf uns. Dazwischen schlugen wir unser Zelt mit atemberaubender Aussicht auf, wobei wir bei Dunkelheit sogar Jerusalem erblicken konnten. Völlig erschöpft erreichten wir das malerische Madaba am nächsten Mittag. Eine Stadt, die durch ihre zahlreichen Mosaiken aus byzantinischer Zeit, vor allem durch das Landkartenmosaik, bekannt geworden ist. Wir schlenderten noch etwas durch das Städtchen und schauten uns ein paar archäologische Mosaiküberbleibsel an. Den nächsten Morgen gingen wir gemütlich an, kauften noch ein und hatten heute nur 15 km vor uns mit Zwischenziel des Berg Nebos, auf dem angeblich Moses gestorben ist. Man hat wieder eine wundervolle Aussicht, und es rollten wieder ziemlich viele Touristenbusse an. Nach unserer Mittagspause fuhren wir um den Berg und keine 15 Minuten später waren wir fern ab von all dem Trubel, vor uns nur das weite Tal, wo wir zum ersten Mal sogar Landwirtschaft entdeckten. Vorbei an ein paar Beduinenstämmen und uns hinterherjagenden Hirtenhunde erreichten wir den Endpunkt unseres Tagesziels: Moses Quelle.

Hier entsprang ein kleiner Wasserfall aus dem Fels, was wirklich ein schönes Highlight zu der ganzen Dürre war. Leider lag hier wieder extrem viel Plastikmüll herum. Wir entschieden den Ort als Übernachtung zu wählen. Kurz darauf kam ein Esel im Galopp mit zwei dürren Kindern an. Diese waren geschickt worden um Wasser zu holen. Nachdem sie ein paar Kekse von uns bekommen hatten, fingen sie zwei Frösche und boten sie uns als Gegenleistung an. Wir waren etwas irritiert und baten sie, die Tierchen wieder frei zu lassen. Danach bauten wir das Zelt auf und waren schon am Abendessen kochen, als eine dort ansässige Familie uns fragte, ob wir hier schlafen wollten. Denn es gäbe hier Hyänen und Hundebanden, wir sollten daher die ganze Nacht ein Feuer brennen lassen. Und schon hatte ich Angst und schickte Marc zum Feuerholzsuchen, während ich Gruselgeschichten von Hyänenangriffe beim Campen im Internet recherchierte. Kurz bevor es dunkel wurde, gesellten sich drei Jugendliche direkt neben unser Zelt und machten ein riesen Feuer. Wir wurden noch zum Tee eingeladen, die Essenseinladung schlugen wir aber höflich aus. Sie hatten auf alle Fälle Spaß, denn sie haben lautstark bis 1 Uhr nachts gesungen. Damit hatte sich das dann mit den angeblichen Hyänen auch erledigt. Am nächsten Morgen wurden wir beim Frühstück mal wieder von einem Beduinenhirte überrascht, der uns frisch gezapfte Ziegenmilch gegen ein Selfie anbot. Diese schmeckte überraschend köstlich - eigentlich wie lauwarme Kuhmilch aus dem Milchaufschäumer. Nach diesem erfolgreichen Frühstück erreichten wir nach einigen Höhenmeter unser Ziel: die Hauptstadt Amman.


Amman

Wir hatten hier ein nettes AirBnB und genossen die Ruhe, da wir etwas außerhalb waren. Wir konnten endlich mal wieder Wäsche waschen und die Räder pflegen. Wir machten eine Sightseeing Tour mit vielen Höhenmetern, Amman ist nämlich ähnlich wie Stuttgart, wirklich sehr bergig und kesselförmig. Von der alten Zitadelle aus kann man hervorragend die Stadt bewundern.

Die Stadt wirkt sehr modern und man sieht auch viele wohlhabende Villen an den Hängen. In der Innenstadt erkannten wir zum ersten Mal deutlich, dass auf jeden Dach mindestens ein Wassertank steht, was das genau bedeutet, stellten wir am Abend fest. In unserer Unterkunft kam nämlich plötzlich kein Tropfen Wasser mehr aus dem Hahn. Wir fragten nach: ja das Wasser ist aus. Unser Gastgeber aktivierte nun den zweiten Wassertank auf dem Dach und das Bereitstellen dauerte etwa drei Stunden, dann hätten wir wieder Wasser. Direkt hatten wir ein schlechtes Gewissen, weil man aus Europa doch einen anderen Umgang mit Wasser hatte als hier. Bei uns ist das Wasser aus dem Wasserhahn unendlich. Wieder spüren wir, wie privilegiert wir sind. Auch das unser Leitungswasser zum Kochen und Trinken verwendet werden kann, ist einfach nur Luxus. Hier werden die Leute mit großen Trinkwasserkanistern versorgt. Naja, und das Leitungswasser wird reglementiert, da Jordanien eines der wasserärmsten Länder der Welt ist. So werden zwei mal die Woche die Tanks an jedem Haus aufgefüllt womit man dann eben haushalten muss, bis es wieder aufgefüllt wird.. Sollte es auf Dauer nicht reichen, kann man sich aber einen zweiten Tank bestellen. Als Bürger trägt man lediglich die Kosten des Tanks, nicht aber das Wasser an sich. Zudem hat 99% der Bevölkerung Zugang zu Wasser, was hier schon eine beachtliche Leistung ist. Die Regierung lässt hier anders als in Ägypten die Bevölkerung nicht im Stich. Jordanien ist eine Monarchie, und der König Abdullah wird hier richtig verehrt. Hier kommen uns keine negativen Worte über die Regierung zu Ohren. Jedoch ist hier die Presse- und Meinungsfreiheit wohl eingeschränkt, deswegen wissen wir nicht so ganz genau, ob uns nur die Wahrheit erzählt wurde. Die Zeit in Amman hat uns sehr gut gefallen, ein besonderes Highlight war Ali, unser AirBnB Gastgeber uns am letzten Morgen zum jordanischen Frühstück eingeladen hat. Es gab leckeres Pita Brot mit Kräutern und Käse, dazu natürlich Humus und Bohnen. Wir haben uns ein wenig verquatscht und sind dann anschließend nach Jerash gefahren. Unsere vorletzte Station in Jordanien ist bekannt für die am besten erhaltenen römischen Ruinen außerhalb von Italien.

Jerash war mal wieder mit vielen Höhenmetern verbunden und vor allem mussten wir auch nochmals zurück, weil dies der nördlichste Punkt für uns war und wir die Grenze weiter im Süden überqueren wollten. Bei der Besichtigung von Jerash war es schon morgens um 10 Uhr sehr heiß. Es ist ein wirklich schönes Areal mit tollen Reliquien der Römer. Am selbigen Tag wollten wir noch an einem Stausee vorbei Richtung Salt, der ehemaligen Hauptstadt von Jordanien. Jedoch war nach einer langen Abfahrt unsere Route gesperrt, sodass wir kurzerhand entschieden an Ort und Stelle zu schlafen. Es war ein beliebter Ort für Familien und Studenten, die dort Lagerfeuer machten und picknickten. Am Morgen wollten wir uns an dem Wachhäuschen vorbei schleichen, was uns leider nicht gelang und somit mussten wir wieder alles zurück und hochfahren. Ich hatte langsam genug von den Bergen und auch Marc wollte wieder mehr Kilometer am Tag machen, was mit den Höhenmetern einfach nicht möglich war. Deswegen entschieden wir uns abzukürzen, Salt auszulassen und auf Höhe des Toten Meeres abzusteigen und zumindest einen Tag im Flachland zu genießen, bevor es dann auf palästinensischer Seite wieder hoch ging. So fuhren wir noch durch das letzte Bergdorf, wo wir von ca. 20 Kinder umringt wurden, eigentlich was essen wollten, aber dann doch wegen zu aufdringlicher Belagerung flüchten mussten. So düsten wir runter und verbrachten unsere letzte Nacht an einem schönen See zwischen Plantagebauern. Etwas wehmütig verbachten wir die letzten Stunden im Land, welches uns wirklich sehr positiv überrascht hat. Die Landschaft hat uns wirklich beeindruckt, so vielseitig und aussichtsreich durch die vielen Berge. Zudem haben wir uns hier sehr sicher und frei gefühlt.


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