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Wat - Wir können hier schlafen?

Wie oft haben wir uns nach einem warmen entspannten Ort gesehnt, wenn es mal wieder so richtig hart und anstrengend war. Endlich haben wir es geschafft, denn unser nächstes Ziel war Thailand. Leider war das auf dem Landweg wieder nicht möglich, denn es lag entweder Tibet oder Myanmar dazwischen, was beides gerade nicht möglich war. Wir verbrachten zuerst ein paar entspannte Tage in Bangkok, da bei Marcs Fahrrad einiges repariert werden musste. Zu unserer Freude kam David zu Besuch, der uns schon in Griechenland und der Türkei für 3-4 Wochen begleitet hatte. Er brachte uns auch wieder wichtige Sachen mit, an die wir hier einfach nicht herankamen. Alles dauerte doch wieder länger als gedacht, denn auch die YouTube Videos sind eine Zeitfressmaschine. Wir zogen innerhalb Bangkoks noch in ein Hotel um, welches Sonderpreise hatte und so wir konnten wir mal den Luxus genießen, den Pool und das Fitnessstudio zu nutzen. Zudem trafen wir auch wieder Sascha, den Motorradfahrer. Kulinarisch eröffneten sich hier wieder ganz neue Horizonte und Geschmäcker. Thailänder lieben Fleisch und in nicht so touristischen Orten findet sich kaum ein vegetarisches Gericht und die Verständigung hierbei wird auch sehr träge. Zudem ist die riesige Stadt natürlich sehr wild und wir waren sehr froh, sie bald hinter uns zu lassen.

Für die erste Nacht haben wir uns einen Park inmitten von Ayutthaya ausgesucht. Es war super schön mit einer Picknickecke, aber schon nach kurzer Zeit bemerkten wir, dass das ein großer Fehler war. Auf dem Rad hatten wir noch Fahrtwind, sodass die Hitze ganz gut auszuhalten war. Nun aber im Park war so eine hohe Luftfeuchtigkeit, dass der Rasen komplett nass war. Uns lief der Schweiß runter wie ein Wasserfall und das nur vom rumsitzen. Wirklich alles war nass und an Schlafen war kaum zu denken. Aber es kühlte tatsächlich zumindest soweit ab, dass man nicht mehr so sehr schwitzte und wir auch ein paar Stündchen Schlaf bekamen. Jedoch wimmelte es in Thailand von so vielen Straßenhunden, wie wir sie auf der ganzen Reise noch nicht gesehen haben. Und einer dieser Hunde störte sich nachts an unserem Zelt und bellte uns ziemlich lange an, bis Marc ihn dann schlussendlich mit einem Stein wegscheuchen musste. Ansonsten sind die vielen Hunde aber sehr lieb und eher ängstlich, und stören uns nicht wirklich.

Am nächsten Tag hatten wir erstmal gar keine Lust auf Radfahren und widmeten uns daher dem Sightseeing. Uns war erst gar nicht bewusst, dass wir an einem sehr bedeutsamen Ort gestrandet sind: Ayutthaya. Das war 400 Jahre lang die Hauptstadt des Königreichs Siam, bis die Stadt im April 1767 von den Burmesen erobert, geplündert und fast völlig zerstört wurde. Nach der verheerenden Niederlage gründete König Rama I. nur 80 Kilometer entfernt die neue Hauptstadt von Siam: Bangkok, die "Stadt der Engel". Doch immerhin 33 Könige haben von Ayutthaya aus das Land beherrscht und die Stadt zu unglaublichem Wohlstand geführt und war damals das "Venedig des Ostens". Wir besichtigten einige der Ruinen, die noch vorhanden waren. Wirklich sehr beeindruckende Gebäude und zudem war es nicht so touristisch überlaufen, so dass wir das Sightseeing richtig genießen konnten.

Nach einem stärkendem Mittagessen ging es dann noch zu einem riesigen goldenen Buddha. Auf den Bildern sieht man das Verhältnis, Marc war so groß wie Fingernagel des Buddhas. Wir erlebten noch einen traumhaften Sonnenuntergang und suchten uns dann für die Nacht einen Tempel. Wir bekamen nämlich den Tipp, dass man als Radfahrer auch einen ähnlichen Stand wie ein Pilgerer hat und diese dürfen in so einem Tempel nach Obdach für die Nacht fragen. Das mussten wir unbedingt mal ausprobieren. Diese Tempel werden hier "Wat" genannt, eine von Mauern umgebener Gebäudekomplex, der in den Buddhistischen Ländern wie Thailand oder Laos hauptsächlich für religiöse Zwecke genutzt wird. Man bekam meist einen Raum oder eine Halle, in der wir unsere Isomatten ausbreiten konnten. Das Gute war, dass man auch Zugang zu den Toiletten und einfachen Duschen hatte und sogar einen Ventilator zum Schlafen bekam. Uns wurde sogar Essen angeboten, aber da hatten wir uns schon vorher gekümmert. Die Mönche sind sehr zuvorkommend und helfen sehr gerne. Von da an haben wir jede Nacht außerhalb der Stadt in Tempeln verbracht. Um 5 Uhr morgens war man allerdings wieder wach, denn es ertönte entweder der Gong oder man wurde von Hunden und Hühnern geweckt. Aber das nimmt man gerne in Kauf, denn so eine Unterkunft kostete uns nichts.

Wir haben uns mal wieder ein bisschen Stress gemacht, weil wir zu einem Warmshowers Gastgeber fahren wollten, die uns nur zu einem bestimmten Zeitpunkt aufnehmen konnten. Daher mussten wir für 6 Tage jeden Tag im Schnitt 90 Kilometer fahren. Das war mir irgendwann doch zu viel, und ganz plötzlich bekam ich einen Sonnenstich. Extreme Übelkeit und Schwäche auf dem Rad. Ich musste noch ein paar Kilometer durchhalten um die Jungs einzuholen, die beim nächsten 7-Eleven auf mich warteten und legte mich dann bei dem Supermarkt auf den Rasen in den Schatten. Sofort kamen alle Mitarbeiter rausgesprungen und boten mir Hilfe und Getränke an. Zu allem Überfluss bekam ich dann noch Durchfall, sodass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war. Wir suchten uns ein Hotel in der Nähe. Mein Körper glühte und gleichzeitig war mir extrem kalt. Ich lag eingekuschelt unter der warmen Decke bei 30 Grad. Leichtes Fieber kam auch noch hinzu. Aber mit viel Trinken und Kopf kühlen hatte sich mein Körper über Nacht erholt. Jedoch musste ich dringend eine Tag Pause einlegen und verbrachte den Tag lieber im Bett. Abends ging es mir dann schon deutlich besser und wir konnten zu dritt was essen gehen. Die Jungs fanden ein tolles Restaurant mit Buffet, wo man alles mögliche selbst auf dem Tisch grillen konnte. Ähnlich wie bei Raclette. So gab es für die Jungs Krabben, Krebs, Schrimps, Muscheln, Schnecken, Speck, Haifisch und Innereien. Ich blieb lieber bei Schonkost wie Obst und Gemüse.

Am nächsten Tag entschied ich mich dafür, einen Bus zu nehmen und die Jungs fuhren mit dem Rad weiter. Das war aber leichter gesagt als getan, denn offiziell war es verboten, das Rad mit in den Bus zu nehmen. Marc konnte mir daher am Vortag kein Ticket kaufen. Ich dachte mir, wenn man dann mit dem Rad dasteht, lassen sie einen schon mit. Aber die Verkäuferinnen waren nicht sehr motiviert, mir überhaupt zu helfen und zudem waren fast alle Busse ausgebucht. Daher entschied ich mich schnell an die Autobahn zu fahren und per Anhalter zu den Warmshower Gastgebern zu kommen, die nun noch 260 Kilometer entfernt waren. Sofort hielt ein Pick-up und erklärte mir, dass per Anhalter fahren in Thailand eher unüblich ist. Dass es sehr schwierig für mich werden sollte und er überlegte wie er mir helfen konnte. Ich lehnte seine Hilfe dankend ab, aber just in den Moment hielt ein weiterer Pick-Up und nahm mich zumindest 60 Kilometer in die nächste Stadt mit. Anschließend schrieb ich dem Warmshowers Host François, dass ich auf dem Weg bin und in der nächsten Stadt versuchen werde, einen Bus zu finden. Da bot das liebe holländische Paar an mich abzuholen. Das waren 200 Kilometer und ich konnte das Angebot kaum annehmen. Aber sie waren Rentner, gerade schon in der Richtung beim Brunchen und sie ließen mir keine keine Wahl. Somit wurde ich ganz bequem abgeholt, nachdem wir noch einen Kaffee getrunken haben. Anschließend ging es dann nach Hause in ihr kleines Paradies. Die beiden sind früher in Rente gegangen und können hier von der halben Pension zu zweit leben. Sie haben sich ihr eigenes Lehmhaus gebaut, das aber eigentlich nur aus dem Schlafzimmer besteht. Das Leben findet draußen im Garten statt. Es sieht dort einfach nur traumhaft aus, denn die beiden haben mit Mosaik ein wirkliches Kunststück gezaubert. Außerdem haben sie ein Gästehaus für einen Freund gebaut, der leider an Krebs verstorben ist. Daher laden sie nun Fremde und Bekannte ein, um darin zeitwesie zu leben. Es war einfach ganz bezaubernd bei den Beiden mit tollen inspirierenden Gesprächen. Außerdem haben sie auch jede Menge Tiere wie Papageien, Schildkröten, Reptilien und 3 verrückte Hunde. Während ich mich ein bisschen verwöhnen ließ, fuhren die Jungs an dem Tag fast 200 Kilometer. Am nächsten Tag legten sie weitere 60 Kilometer mit dem Rad zurück und kamen ziemlich erschöpft an. Daher legten wir danach noch einen Pausentag ein, weil wir einfach zu viel Gas gegeben haben. Danach hieß es Abschied nehmen und wir fuhren ganz entspannt Richtung Chiang Mai.

Wir entschieden uns für eine Nebenstraße, die es in sich hatte. Wir waren zwar vorgewarnt, trotzdem waren die Steigungen echt der hammer. Bestimmt an die 18% und das bei einer Luftfeuchtigkeit. Wir waren einfach nur pitschnass. Auf dem Weg lag aber auch noch ein Elephantenschutzgebiet. Es war ein großes Gelände, wo die Elefanten kontrolliert mit Rangern umherliefen. Gleichzeitig gibt es auch ein Touristenprogramm, um welches wir aber einen großen Bogen machten. Wir sahen noch eine Mama mit ihrem Baby, die aber eingesperrt waren. Auf dem Rückweg merkte ich plötzlich, dass sich der Baum vor mir bewegt und ich erhaschte einen Blick auf etwas Graues. Gespannt blieben wir stehen und sahen tatsächlich eine ganze Herde voller Elefanten, die dort durch den Busch gingen und fraßen. Es war ein magischer Moment so viele dieser wunderschönen Tiere auf einmal zu sehen und das in ihrer natürlichen Umgebung.

Nach einer Nacht in einem Wat machten wir uns dann final auf den Weg nach Chiang Mai. Wir planten hier zum Lichterfest zu sein und hatten uns auch mit anderen Radreisenden verabredet. Daher verstrichen die Tage wie im Flug und wir hatten jede Menge Spaß. Anne und Ersin, ein verheiratetes Paar unseren Alters waren eine tolle Gesellschaft für die Zeit in Chiang Mai. Alles war voller Straßenfeste und abends wurden dann beim traditionellen Yee Peng Boote aus Bast und Blumen auf den Ping Fluss gelassen. Dabei wurden Wünsche mit den Boten versendet, die dann im nächsten Jahr in Erfüllung gehen sollten. Es gab überall Essen und jede Menge Feuerwerk. Abends trafen wir auch noch andere Bikepacker und so waren wir mal wieder in großer Gesellschaft, was wir so gar nicht mehr kannten. Das war richtig schön. Am nächsten Tag haben wir dann einen Roller gemietet um zum Loy Krathong Festival außerhalb der Stadt zu fahren. Dabei werden Laternen aus Papier ähnlich wie ein Heißluftballons angezündet und dann mit Wünschen in die Luft gelassen. Es war leider sehr touristisch aber trotzdem sehr schön.

Am nächsten Tag hieß es erstmal Abschied von David und den anderen Bikepacker zu nehmen. Denn Marc und ich wollten noch einen Ausflug in den Norden Thailands machen - und das aufgrund der mangelnde Zeit mit dem Roller. Auf dem Weg dorthin machten wir noch an einem Nationalpark Halt, bei dem man über Sinterterrassen den Wasserfall hinaufklettern konnte. Das machte wirklich Spaß und war super erfrischend. Anschließend ging es über die Straße der 1200 Kurven nach Pai. Das ist eine kleine Touristenoase mit allerlei Spiel und Spaß. Hier gab es Wasserfälle, Hot Springs, spektakuläre Brücken, chinesische Dörfer, Nachtmärkte, Workshops aller Art und alles was das Herz eines Touristen begehrt. Leider hatten wir nur 3 Tage, ansonsten hätten wir noch sehr gerne einen der Atemkurse besucht. Aber wir trafen noch Arev und Mathias, alte Bekannte aus Duschanbe und tagsüber vergnügten wir uns mit leckerem Essen, am Wasserfall Sonne tanken, Massage, Eisbaden und Sauna. Marc hatte sich zwischenzeitlich bei einem Triathlon angemeldet, der im Februar in Thailand stattfinden soll. Hierfür fing er an, fleißig zu trainieren und ging fast jeden Tag joggen. Die Zeit verging leider wie im Flug und schon waren wir wieder zurück in Chiang Mai, wo wir den Roller wieder gegen unseren Drahtesel tauschten.

Wir hatten nur noch 5 Tage in Thailand, bis unser Via auslaufen würde. Daher mussten wir uns etwas sputen um an die Grenze von Laos zu kommen (etwa 300 Kilometer). Wir wählten daher den direkten Weg - dieser war abgesehen von den vielen Autos aber eine sehr schöne Strecke. Es wurde etwas bergig und in der Mitte lag Chiang Rai, eine größere Stadt in der auch etwas außerhalb der bekannte weiße Tempel lag. Dieser war zwar sehr touristisch, aber trotzdem sehr beeindruckend. Symbolisch wird hier der Weg zum Buddhismus erklärt, und viele Figuren aus der Schattenwelt sind in grausamer Art abgebildet um die menschlichen Begierden darzustellen. Leider war es einfach zu heiß um es richtig genießen zu können.

Am Abend waren wir mit anderen Bikepacker verabredet, vor allem trafen wir David wieder und noch Max, seinen Weggefährten der letzten Tage. Wir legten nun doch noch einen Pausentag ein um auch Anne und Ersin wieder zu treffen. Wir besichtigten noch den blauen Tempel und entspannten mit den anderen. Danach waren es nur noch 100 Kilometer bis an die Grenze. Thailand ist somit erstmal zu Ende, aber wir freuen uns schon wieder darauf, in 2 Monaten wieder hier zu sein. Es ist zwar sehr touristisch aber das Reisen lässt sich hier sehr angenehm gestalten. Vor allem entkommen wir dem Massentourismus immer, wenn wir auf den Rädern sitzen und durch das ruhige Land fahren. Es ist für uns reinster Luxus durch dieses schöne Land mit all seinen Vorzügen fahren zu können.

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