top of page
  • AutorenbildJuli

Reisemüde...wie geht es weiter?

Ramadan war nun vorbei und wir atmeten ein wenig auf: endlich gab es tagsüber wieder Essen überall. Wir nahmen den Zug, denn der Verkehr in und um Penang sei zu stressig und zu gefährlich, und diesem Risiko mussten wir uns ja nicht aussetzen. Wir besuchten eine kleine Insel, in der Orang-Utans abgesondert aufgefangen und reproduziert werden, um deren Aussterben entgegen zu wirken. Zudem sollen einige auch zur Auswilderung vorbereitet werden. Aber in der freien Natur leben diese Affen nur noch auf Sumatra und Borneo. Für uns fühlte sich der Besuch sehr touristisch an, die armen Tierchen saßen etwas gelangweilt hinter dem Zaun oder nahmen ein Bad zur Abkühlung. Aber zumindest wird hier den lokalen und auch internationalen Besuchern die Aufmerksamkeit auf die bedrohte Tierart aufgezeigt, sodass hoffentlich mehr Verständnis erzielt wird, dass Umweltschutz einfach wichtig ist.



Anschließend ging es noch 3 Tage weiter durch die interessanten kleinen Städten wie Taiping und Ipoh, die stolz auf ihre Kolonialzeit sind und die Überbleibsel der Zeit imposant präsentieren. Die beiden Städte erreichten ihren Reichtum durch Zinnbergbau. Bereits seit den 1850er Jahren wurde Zinn von chinesisch-stämmigen Unternehmen in großem Maßstab abgebaut. Die Städte wuchsen beide enorm vor allem in den 1920er-Jahren wegen der globalen Nachfrage an. Daher wurde Ipoh auch als "Stadt der Millionäre" bezeichnet. Nun aber leidet die Stadt seit dem Rückgang der Zinnpreise. Heute sind Relikte in Form von Street Art an den Mauern zu finden. Einen Tag übersprang ich 90 Kilometer mit dem Zug, weil mir die Hitze doch relativ zu schaffen machte. So hatte ich mehr Zeit die Gegend in Ipoh zu erkunden und konnte Marc am Nachmittag die besten Orte zeigen. In Taiping gab es zudem noch 140 Jahre alte Regenbäume zu bestaunen.



Die nächsten Tage hatten wir so geplant, dass wir jeweils nur 50-60 Kilometer am Tag fahren mussten. Und diese versuchten wir schon um 12 Uhr hinter uns zu haben, damit wir nicht in der unerträglichen Mittagshitze fahren mussten. Die Strecke war nun wirklich sehr langweilig, leider auch noch mit viel Verkehr. Viele Highlights gab es nicht auf dem Weg, aber wir testeten uns mal weiter an die lokale Küche. Es gab zig verschiedene Nudelarten, die uns oftmals überforderten. Es gab viele Nudelsuppen, oder auch angebratene Nudeln und Reis. Es fand sich manchmal auch was vegetarisches. Zum Frühstück gab es häufig Roti Canai vom Inder. Das ist blätterteigähnliches Brot mit einer würzigen Soße, und kostete nicht mal 20 Cent. Das konnten wir zu jeder Tageszeit essen, wenn es mal nichts anderes gab.



Ein kleines Highlight hatten wir aber doch noch. Wir entdeckten einen im Fels eingelassenen chinesischen Tempel, der uns wirklich begeisterte. Zum glück keine große Touristenattraktion, hätte viel Potential dafür. Umso schöner wenn wir so einen Ort ohne jegliche Touristenmassen entdeckten und uns in aller Ruhe umsehen können. Anschließend ging es noch zu einer heißen Quelle, die wir uns mit den Einheimischen teilen durften. So ein heißes Bad geht immer, selbst bei dem schwülen Wetter. Hauptsächlich waren hier chinesische Malaien und diese zeigen sich immer freundlich und interessiert, sodass man schnell ins Gespräch kommt.



Nach dem Wellness fuhren wir zu unserem Warmshowers Gastgeber Soon, ein Architekt und Delikatessenladenbesitzer. In seinem Büro gab es ein Gästezimmer, in dem wir nächtigen durften. Seine Eltern betrieben ein Restaurant, dass aber leider an dem Tag geschlossen war. Wir waren daher verpflichtet, am nächsten Morgen noch dort zu frühstücken. Am Abend wurden wir von ihm und seiner Frau zum Essen eingeladen. Aber der Star des Abends war der kleine Lele, ihr fast dreijährige Sohn. Ein knuffiges Kerlchen, der keine Minute stillsitzen konnte. Wir konnten wieder neue leckere Sachen probieren und hatten einen sehr schönen Abend. Die beiden fahren nun nicht mehr Rad, sind aber sehr aufgeschlossen und wollen, dass der Sohn englisch lernt und weltoffen erzogen wird, weswegen sie so viele Gäste aus aller Welt beherbergen. Am Morgen gab es dann Frühstück im Restaurant seiner Mutter, jedoch war es sehr trubelig, als wir erschienen. Spontan kam die Gemeinde zusammen, um über Gelder des neuen Tempels abzustimmen. Der Entwurf des Tempels kam von Soon selbst. Alle wollten verpflegt werden, daher mussten wir erstmal warten. Dann wurden wir noch vom Bürgermeister vor laufender Kamera interviewt. Das ging alles so schnell und schon waren sie auf und davon, um den neuen Tempel anzuschauen. Dann bekamen wir endlich das hoch angepriesene Frühstück: handgemachte Nudeln in einer Bratensoße. Fast das Pendant zu unseren Spätzle mit Soß. Dazu gab es aber spinatähnliches Gemüse, Pilze und Fishcake. Ganz schön deftig aber enorm lecker. Als Getränk wurde selbstgemachte Zitronenlimonade mit Honig gereicht. Zum Schluss wurden noch Bilder gemacht und schweren Herzens verabschiedeten wir uns von der lieben Familie. Diese Menschen sind immer die größte Bereicherung am Reisen, sie lassen uns für eine kurze Zeit in ihr Leben eintauchen, was uns sehr beeindruckt.



Jetzt trennten uns nur noch ein paar Kilometer bis zum Anfang der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Um genau zu sein, waren es 30 Kilometer, die aber einen Berg in der Mitte hatten. Dieser war extrem hart für mich, denn es war mal wieder mittags als der härteste Teil kam. Alle 200 Meter musste ich anhalten und Pause machen. Marc wartete schon lange oben auf mich und badete dort in einem kleinen Wasserfall. Jetzt ging es mir noch bergab zu den bekannten Batu Höhlen.



Die Batu Höhlen in Malaysia sind eine bedeutende religiöse Stätte für den Hinduismus. Sie bestehen aus drei großen Höhlen und vielen kleineren, darunter die Kathedralenhöhle, die zahlreiche hinduistische Schreine beherbergt. Der beeindruckende 42,7 Meter hohe goldene Murugan-Statue am Eingang der Höhlen ist eine der größten ihrer Art weltweit. Man muss 272 steile Stufen erklimmen, die kunterbunt bemalt sind, um die Höhle zu erreichen. Dort und auch unten treiben die ganzen Affen ihr Unwesen: fressen den Touristen aus der Hand, zeigen wie sie sich fortpflanzen und klauen auch gerne mal Getränke oder Snacks aus der Hand. Ich kann mich mit den Kreaturen einfach nicht anfreunden und bin immer maximal angespannt, an diesen Orten. Marc genießt es und kann gar nicht genug Fotos von den Tierchen machen. Auf alle Fälle ist dieser Ort sehr touristisch, aber auch viele Pilgerer kommen zu den Höhlen, um ihre Schönheit und Spiritualität zu erleben. Ihr Besuch bietet Einblicke in die vielfältige religiöse Landschaft Malaysia.


Jetzt fuhren wir wieder mit dem Zug in die Stadt, denn Radfahren in der Metropole wurde uns von jedem abgeraten. Als wir aussteigen, fuhren wir noch 3 Kilometer bis zu unserem Wolkenkratzer, den wir für den nächsten Tage unser Zuhause nennen dürfen. Es ist hier der Standard, dass die Hochhäuser Pool und Fitnessraum anbieten, und daher waren wir relativ begeistert, ein großes Apartment mit den Zusätzen zu haben und nur knapp 30€ pro Nacht zahlten. Leider fehlt es an allem in der Küche. Es gibt eine Mikrowelle, das wohl wichtigste Utensil hier aber leider keine Herdplatte. Das bedeutet, es gab Brot und Obstsalat zum Frühstück und sonst machten wir es wie die Locals, einfach runter gehen und bei den Food Trucks was essen oder eben was bestellen. Das lokale Essen ist so billig, dass wir es oft nicht fassen konnten. So kosten uns oft zwei Reisgerichte mit Saft nicht einmal 6€. Das ist unfassbar billig und erklärt auch, warum die Apartments so schlecht bestückte Küchen aufweisen. Natürlich kann man hier auch edel essen gehen und die Preise ähneln dann gerne denen in Deutschland, nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Wir lassen es uns hier nochmals gut gehen: Pediküre, Barbier, Massage und hier und da auch mal ein Käffchen. Denn bald wird das alles teurer, denn es geht auf Heimaturlaub.



Es hat sich schon länger abgezeichnet, seit Marcs Ironman waren wir ein bisschen planlos. Wir hatten plötzlich keinen Druck mehr und dümpelten so vor uns hin. Aber wir hatten auch nicht mehr wirklich ein Ziel, und das fiel uns ziemlich schwer. Irgendwann würde uns auch das Geld ausgehen und wir hatten beide auch wieder Lust unser Reiseabenteuer in einen normalen Alltag einzutauschen. Mal wieder richtig zu arbeiten und ein Zuhause zu haben, das fanden wir gerade so richtig attraktiv. Wir hatten die Schnauze voll, jedem Tag die Taschen ein - und auszupacken. Wir wollten endlich mal wo ankommen. Außerdem vermissten wir nun doch so langsam ein bisschen die Familie und sogar Deutschland. Nicht jeden Tag komplett verschwitzt sein, sondern die trockene, kalte Luft in Deutschland einatmen war einfach die beste Vorstellung. Auf dem Weg lagen theoretisch noch tolle Inseln, die uns empfohlen wurden. Aber wenn wir in uns hineingehorcht haben, hatten wir einfach keine Lust mehr, schon wieder eine traumhafte Insel zu besuchen. Wir waren einfach übersättigt und konnten die tolle Natur gar nicht mehr so richtig genießen. Wir sind einfach richtig reisemüde. Deswegen hatten wir uns schon in Thailand entschieden, für 6 Wochen einen Boxenstopp in Deutschland zu machen. Die Familie ahnte noch nichts, es sollte eine Überraschung werden. Die Räder blieben erstmal hier bei einem lokalen Radfahrer, der selbst die Zeit über in Südkorea unterwegs ist. Wir wollten nach den 6 Wochen wiederkommen und noch Malaysia und Indonesien mit neu gewonnen Reiselust entdeckten. Zeitgleich begeben wir uns auf Jobsuche und haben gerade Australien dafür ins Auge gefasst. Ob das klappt, steht bis jetzt noch in den Sternen.


Jetzt freuen wir uns erstmal bei unseren Lieben zu sein und Zeit zu haben, alles reflektieren zu können. 1,5 Jahre waren wir nun unterwegs und haben so viel erlebt, dass es noch lange nicht in uns verarbeitet ist. Wir sind einfach nur dankbar, dass alles erlebt haben zu dürfen und sind gespannt, was die Zukunft für uns bereit hält.

121 Ansichten1 Kommentar

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

1 Yorum


Na dann, erholt euch gut!

Beğen
bottom of page