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  • AutorenbildJuli

Perle der Seidenstraße


Erfolgreich passierten wir die Grenze ganz ohne Visa. Denn hier im Großteil der Stanländer benötigen wir kein Visum, was wirklich sehr komfortabel ist. Leider gab es an der Grenze keine Bankautomaten, so mussten wir erstmal ohne Bargeld losfahren. Und ich hatte wieder eine so starke Migräne, dass wir nach 5 Kilometer schon wieder Pause machen mussten.

Den einzigen Schatten bei 40 Grad spendete ein Restaurant auf einem Rastplatz für LKWs. Da wir nicht mit Karte zahlen konnten, gab es erstmal nichts für uns. Bei dem Leitungswasser waren wir uns einig, dass wir das besser nicht trinken. Die lieben LKW Fahrer hatten anscheinend Mitleid mit uns. Sie schenkten uns Cola, Wasser und Brot. So lagen wir im Schatten hinter dem Gebäude und machten einen Mittagsschlaf. Gegen Nachmittag ging es dann ohne Migräne (dank meiner Tabletten) endlich weiter bis in die erste größere Stadt. Die Landschaft war trotz Wüste eigentlich ganz schön und hatte einige Pflanzen und direkt neben uns verlief die ganze Zeit ein mit Schilf umgebener Kanal. Leider hatten wir wieder einen Platten und auch eine Toilette musste aufgesucht werden. Hierzu muss auch mal erwähnt werden, dass die Standards der öffentlichen Toiletten stark abnehmen. Da kann auch keine deutsche Rastplatztoilette mehr mithalten. Im besten Fall ist es ein sauberes Loch im Boden mit der klassisch arabischen Arschdusche. Im schlimmsten Fall ist einfach nur ein Loch im Boden mit Inhalt und ohne Wasser. Da wollen wir jetzt auch nicht weiter drauf eingehen. Für mich bedeutet das, dass ich entweder die Natur vorziehe oder innehalte, bis ich im Hotel bin. Hier kann man oft zwischen einer europäischen Toilette oder einem sauberen Loch wählen. Und wir sollten uns in Deutschland nicht mehr über recyceltes Klopapier beschweren, denn was hier angeboten wird ist wie grobes Schleifpapier, erfüllt aber seinen Zweck. So fuhren wir mit Laura ganz entspannt ins nächste Dorf. Dort holten wir uns erstmal Simkarten, was leider ewig dauerte. Fast zwei Stunden für 3 Simkarten, aber immerhin waren wir wieder mobil um uns zu orientieren. Wir hatten 80 GB für 6 Euro erhalten. Dabei fragten wir uns immer wieder, was man in Deutschland für diese Menge an Internet zahlen müsste. Wahrscheinlich ein Kredit aufnehmen. Wir konnten mit Visa bezahlen und der nette Besitzer gab uns sogar noch Bargeld raus. Dadurch konnten wir endlich wieder Getränke kaufen. Denn unser Durst war enorm bei der Hitze. Laura fragte nochmals Einheimische ob man das Leitungswasser trinken konnte. Die Frage wurde zum Großteil mit Ja beantwortet. Das war für sie Beweis genug, es zu versuchen - was sich später noch als großer Fehler rausstellen sollte. Wir waren aus dem Iran generell etwas vorsichtiger mit dem Wasser.

Da wir dann sehr spät auf Campingplatzsuche waren, hatten wir nicht mehr allzu viele Möglichkeiten und schlugen unsere Zelte in einer dunklen Ecke in einem Park auf. Ein Polizist kam später vorbei und erweckte erst den Eindruck, dass wir jetzt kontrolliert oder sogar vertrieben werden. Tatsächlich war er aber nur an uns interessiert und wollte Instagram Accounts austauschen. Wir kochten noch lecker Spagetti und gingen dann relativ spät ins Bett. Nach der ruhigen Nacht wuselten dann aber ab 6 Uhr schon die ersten Parkarbeiter um uns herum. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Laura. Wir hatten unterschiedliche Reisegeschwindigkeiten und Laura wollte ein bisschen entspannen und für sich sein. So fuhren wir in der Hitze etwa 80 Kilometer bis nach Bukhara. Die Stadt gehört aufgrund der tollen Baukunstwerke von Moscheen und Medresen zum UNESCO Kulturwelterbe, liegt an der alten Seidenstraße und ist heute noch eines der bedeutendsten Handels- und Industriezentren Zentralasiens. Sie ist eine der ältesten Städte weltweit (500 vor Christus) und war früher unglaublich reich. Hier entspannten wir uns von den letzten Tagen und besichtigten das schön angelegte Stadtzentrum. Alles war voller Touristen, die in den schönen Restaurants und Cafés saßen. Weben, Knüpfen, Töpfern, Schmieden und auch die Kalligraphie sind Handwerkskünste, die hier überall angeboten werden. Es war alles sehr sauber und auch grün, was uns sehr gut gefiel. Hier lungerten auch Betrunkene rum, was für uns wieder ganz neu war, denn sowas gab es im Iran einfach nicht. Da fiel direkt neben uns ein Betrunkener in einen Graben, der ca. 10 cm mit Wasser gefüllt war. Er zog sich eine Platzwunde zu und war kurz bewusstlos. Da sich im ersten Moment niemand bewegte und er einfach nur angestarrt wurde, rannte Marc erstmal zum nächsten Polizisten. Dieser hatte es aber ganz und gar nicht eilig. Unter den Menschen hatte sich dann aber jemand gefunden, der versuchte den Mann rauszuholen. Aus unserer Sicht ging aber alles sehr schleppend voran, was uns ein wenig schockierte. Aber dem Mann wurde geholfen und da es drumherum schon genug glotzende Menschen gab, gingen wir weiter. Zum Abschluss des Abends gingen wir noch zu der Minarette, die wunderschön beleuchtet wurde. Dort trafen wir auch fast alle Gäste aus unserem Hostel und liefen gemeinsam nach Hause.

Am nächsten Morgen stand ein kleiner Notfall an. Laura hatte einen kleinen Zusammenbruch und starken Durchfall. Höchstwahrscheinlich vom Wasser. Sie konnte keinen Meter mehr fahren und wir organisierten ein Taxi, welches sie abholte. Jetzt war sie im gleichen Hostel und wir konnten uns ein wenig um sie kümmern. Leider hatten wir uns aber schon einen Zug zur Weiterfahrt am nächsten Tag gebucht, den wir nicht stornieren konnten. Aber sie wurde erstmal mit genügend Lebensmittel und Medikamenten ausgerüstet, damit sie erstmal versorgt war. Somit konnten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof machen, welcher 15 km außerhalb war. Und so einen schönen Bahnhof hatten wir noch nie gesehen. Vor dem Bahnhof war ein großer, sauberer und gepflegter Park angelegt. Dann konnte man das Gelände nur mit Zugticket durch eine Sicherheitsschleuse betreten, was schon mal dazu führt, dass nicht irgendwelche Menschen dort rumlungern. Dadurch hat man auf dem ganzen Bahnhof und auf den Bahnsteigen eine sehr hohe Bewegungsfreiheit. Auch der Bahnhof selber war sehr sauber und nirgends lag Müll rum. Wir wurden mit unseren Rädern etwas seltsam beäugt, aber wurden zum Glück ohne Gepäckkontrolle durchgewunken. So saßen wir auf dem Bahnsteig und versuchten erstmal herauszufinden, ob unsere Räder nun mitfahren dürfen oder nicht. Da hatten wir nämlich zuvor unterschiedliche Aussagen bekommen. Als der Zug dann endlich (10 Minuten vor Abfahrt) die Türen öffnete, stellten wir uns zu unserem Wagen. Jedes Wagenabteil hatte einen eigenen Schaffner, der die Tickets kontrollierte. Er war super freundlich, hielt kurze Rücksprache mit seinem Boss und ließ uns dann einladen. Der Zug sah von innen besser wie jeder ICE in Deutschland aus. Sogar die Toilette war sauberer. Unsere Räder durften direkt neben uns parken und die 2 Stunden Fahrt war angenehm klimatisiert. Nur die Netzabdeckung war wie bei uns im Zug - eigentlich nicht vorhanden. Aber in Usbekistan irgendwie gerechtfertigt, da zwischen den Städten nichts als Wüste ist. Das war neben der Hitze auch der Grund warum wir einige Strecken in Usbekistan mit dem Zug zurücklegen wollten. Es war auch einfach viel "Nichts" zwischen den Städten. Nur Autobahn und 40 Grad. Das wollten wir uns nicht antun. Das Land besteht zu einem Großteil aus Wüste und Steppe und wird auch noch von ursprünglichen Nomaden bewohnt. Was uns durch unsere Zugfahrten besonders auffiel: trotz der Hitze und Trockenheit gab es sehr viel Grün. Das liegt daran, dass der Aralsee und dessen Flüsse große Teile des Landes bewässern. Zudem besitzt Usbekistan sehr viele Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas und Uran. Ein Großteil der weltweiten Baumwolle kommt aus Usbekistan, was aber zum Teil aufgrund von Kinderarbeit sehr lukrativ verkauft wird. Es gab zwar Druck von großen Markenfirmen wie H&M, wodurch seit 2008 ein Gesetz verabschiedet wurde. Dieses verbietet Kinderarbeit, welches aber nicht wirklich durchgesetzt wird. Anders als im Iran, wo man fast keine Bettler sah, waren hier wieder sehr viele Frauen und Kinder an den Ampeln und Fußgängerpassagen am betteln. Auch in den Hostels sehen wir zunehmend, dass Kinder viele Aufgaben übernehmen und "herumgescheucht" werden. Das erweckt wieder Mitleid in uns und wir fragen uns warum sie nicht in der Schule sind. In kleinen Kiosks werden oft auch nur von Kindern geführt, was sie nebenbei bemerkt sogar ziemlich gut machen. Die Verständigung ist hier wieder sehr schwierig. Selbst Hostelbesitzer können kaum Englisch sprechen und versuchen es im ersten Satz erstmal mit russisch. So mussten wir wieder auf die korrekte Übersetzung des Google Übersetzers hoffen. Hinzufügen können wir hier aber, dass die Uzbeken auch wieder sehr freundlich sind, uns oft ansprechen, obwohl wir absolut nichts verstehen. Zudem lachen sie uns oft breit an und entblößen dabei ein komplett golden glänzendes Gebiss, dass hier jeder zweite trägt. Wir fühlen uns in dem Land sehr sicher. Auch als Frau allein kann man gut durchs Land ziehen. Wir finden hier keine so krasse Trennung von Mann und Frau wie im Iran. Frauen und Männer tauchen wieder gleichermaßen im alltäglichen Leben auf: HotelbesitzerIn, LadenverkäuferIn, Bedienung im Restaurant usw.

Wir erreichten mit dem Schnellzug Samarkand und fuhren direkt zur gebuchten Unterkunft. Da wir uns oft nur das billigste Hotel leisten wollen, fanden wir uns in einem eher seltsamen Ort wieder. Immerhin gab es einen tollen Garten mit unzähligen Tauben, die frei herumliefen und 2 wilden kleinen Hunden, die durch den Garten jagten. Die Unterkunft hatte 3 kleine Räume, in denen jeweils 4 Betten standen. Warum überall so viele Betten waren, wissen wir auch nicht. Leider gab es hier keine Klimaanlage, was es nicht einfach machte dort zu schlafen. Unsere Gastgeberin war auch recht unfreundlich. Immerhin waren Gäste aus Holland, Österreich und Polen dort, sodass wir uns etwas austauschen konnten. Außerdem sahen wir in Samarkand so viele Touristen wie schon lange nicht mehr. Vor allem Franzosen hörte man an jeder Ecke. Samarkand ist ein echte Perle auf der alten Seidenstraße. Da das Land und der islamische Glaube während der Sovietzeit nicht blühen konnte, zerfielen viele tolle alte Bauten, die aber seit der Unabhängigkeit 1991 restauriert worden sind. Diese Minaretten, Moscheen und Mausoleen waren wirklich unglaublich schön und beeindruckend. In Samarkand ist der bekannteste Ort der Registan, wo abends auch tolle Lichtspiele mit Musik stattfinden. Hier haben wir nun auch unsere 10.000 Kilometer geschafft seit Beginn unserer Reise. Wir haben noch weitere Sehenswürdigkeiten besucht, wobei wir tagsüber eher faul in der Unterkunft entspannten und erst abends rausgingen, wenn die Temperaturen etwas angenehmer waren.

Nach zwei Tagen in der schönen Stadt fuhren wir mit dem Zug nach Termez, in die südlichste Stadt des Landes und an der Grenze zu Afghanistan. Denn Marc war vor 9 Jahren schon mal als Soldat in einem Auslandseinsatz hier und wollte sich die Stadt nochmal anschauen. Außerdem wollten wir hier den berühmten Pamir Highway starten. Wir wählten einen günstigen Nachtzug mit Betten und standen pünktlich um 23 Uhr am Gleis. Eigentlich gab es kein Platz für die Räder, aber anders als bei der Deutschen Bahn wurde für uns einfach eine Tür abgeschlossen, sodass wir die Räder davor parken konnten. Ein kleiner Akt die Fahrräder an der Stelle abzustellen, aber es hat geklappt. Wir bezogen unsere Betten, während die Menschen darunter zum Teil schon schliefen. Leider war es ganz anders als wir es uns vorgestellt haben. Es war sehr heiß und es gab keine Klimaanlage, sodass man einfach nur nass geschwitzt war. Man lag quasi permanent in der eigenen Suppe. Es gab keine Abteile, so lagen alle zusammen in einem Wagen. Man hörte Babys schreien, Menschen schnarchen und der Zug übernahm alle weiteren Geräusche. Ins Bett zu kommen war auch nicht so einfach. Wir hatten die oberen Betten, da die unteren schon belegt waren. Oben hatte man aber nicht mal Platz sich aufzurichten. Hinzu kam, dass die Betten nur 170 cm lang waren und die Füße somit auf jeden Fall in den Gang reinragten, wenn man die Beine mal lang hatte. Dort verharrten wir dann in der Hitze bis morgens um 9. Wirklich viel geschlafen hatten wir nicht, aber es war eine erfolgreiche Fahrt und wir kamen mit all unseren Sachen in Termez an.

Hier waren leider die Hotels, die auf Booking angeboten wurden, viel zu teuer für uns und wir entschieden uns einige Hotels persönlich abzuklappern. So bekam man oft ganz andere Preise, meist deutlich unter der Preisen auf Booking. Wir wurden bei einem Hostel fündig, wo wir nur 12 Euro für einen Raum zahlen mussten und waren zufrieden. Es war hier nochmal deutlich wärmer und verbrachten deshalb die meiste Zeit im klimatisierten Raum. Leider durften wir nicht im Hostel kochen, weil die Chefin die Gerüche vom Kochen nicht im Haus haben wollte. So mussten wir leider draußen mit unserem Gaskocher kochen. Wir wollten eigentlich noch etwas Sightseeing machen, aber das war uns nicht vergönnt. Die Hotelchefin meinte, das Taxi kostet uns umgerechnet 60 Cent. Wir wollten 2 Orte besichtigen, so wären es insgesamt nicht mal 2 Euro. So stiefelten wir los und suchten uns ein Taxi. Aber nach dem 5. Taxi gaben wir auf. Jeder wollte nur für die erste Strecke mindestens 4€. Nüchtern betrachtet natürlich immer noch ein guter Preis für 10 Kilometer Fahrt, aber deutlich über unserem Budget. Zudem wussten wir nicht ob es dort noch Taxen gab und wir dann einen noch viel höheren Preis zurückzahlen mussten. Wir gingen erfolglos und genervt zurück und bekamen beim Bäcker vor unserer Tür noch ein frisch gebackenes Brot geschenkt. Immerhin ein kleines Highlight am Tag. Morgen sollte es um 4 Uhr wieder los gehen. Auf uns wartete der Pamir Highway und eine komplette Planänderung, mehr dazu im nächsten Bericht.





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