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  • AutorenbildJuli

Gastfreundliches Tunesien

Aktualisiert: 24. Dez. 2022

01.12.-05.12.2022

Wir waren im Süden angekommen. Der Hauptgrund hierfür waren die Star Wars Drehorte, die Marc aufsuchen wollte. Dazu wird es noch einen extra Beitrag geben. Die Landschaft wurde immer karger, wir waren in der Wüste angekommen. Wir mussten relativ viele Kilometer jeden Tag zurück legen, aber da es kaum Höhenmeter gab, war es kein Problem zwischen 70 und 100 km am Tag zurückzulegen. Wir fanden immer sehr unterschiedliche Unterkünfte und hatten tolle Begegnungen, auf die ich etwas eingehen möchte, weil sie uns nachdrücklich beeindruckt haben. Eine der Nächte verbrachten wir zum 1. Mal auf einem Camping Platz, wo es Hütten gab, was sehr praktisch war, da wir kein Zelt aufbauen mussten. Zudem lag der Campingplatz inmitten von Palmen.

In Tozeur, einer größeren Stadt am ausgetrockneten Salzsee Chott El Cherid trafen wir mitten auf dem Weg 3 weitere Bikepacker. Ein Schweizer, ein Japaner und ein Amerikaner, die sich zufällig gefunden hatten und gemeinsam ein paar 100 Km in Tunesien zurück legten. Der Japaner fuhr bereits seit 4 Jahren mit dem Rad um die Welt und hatte seine Gitarre stets auf dem Rücken dabei. Es war eine schöne Abwechslung Gleichgesinnte zu treffen. Am Tag darauf ging es über den Salzsee (30km nur geradeaus) nach Kebili. Hier war die Landschaft übersät von Dattelfarmen. Und da wir mal wieder auf Schlafplatzsuche waren, und die Sonne so schön durch die Palmen glitzerte, fragten wir bei der ersten Möglichkeit nach, wo wir aber abgewiesen wurden. Aber direkt der 2. Versuch war ein voller Erfolg. Wir durften unser Zelt aufbauen und bekamen sogar Wasser, Datteln und Orangen als Geschenk. Zudem wurde einer der Arbeiter als Aufpasser für uns herbestellt. Die Kommunikation war aufgrund unseren fehlendes Arabisch etwas schwierig, aber wir haben ihn zum Abendessen eingeladen, im Gegenzug machte er uns Feuer und zu Frühstück bekamen wir sogar Brot und Eier. Die Menschen sind überaus gastfreundlich und nehmen auch kein Geld als Dankeschön. Aber ein Selfie muss immer sein.


6.12.2022

Nach unserer Nacht unter den Dattelpalmen waren wir bei Taha in der Stadt Douz eingeladen, den ich über die App "Warmshower" kontaktierte. Als wir mittags ankamen, gab es erstmal ein leckeres Mittagessen. Die Verständigung erfolgte hauptsächlich mit Google Translate, aber meine Französisch-Kenntnisse wurde von Tag zu Tag besser. Taha war Mitglied eines Fahrrad Vereins, wo es auch ein Gästezimmer gab, in dem wir schlafen konnten. Zudem gab es noch eine Tour zum Tor der Sahara und zu einem traditionellen Hotel in der Gegend. Es wurde immer mehr touristisch und gab auch hier und dort richtig luxuriöse Orte zum Essen und Schlafen.

Wir mussten noch Einkäufe erledigen, weil wir die nächsten 4 Tage durch die Wüste fahren wollten und wussten auch nicht, ob wir nochmals zum Essen eingeladen wurden. Sicherheitshalber aßen wir zu Abend um dann festzustellen, dass wir natürlich wieder zum Essen eingeladen wurden und somit 2 mal Abendessen mussten. Taha kannte sich gut aus und gab uns viele Empfehlungen. Daher änderten wir auch die Route: wir sollten unbedingt die Oase Ksar Ghilan aufsuchen und fuhren am Tag darauf zu einem Café inmitten von nichts, wo Taha uns bereits angekündigt hatte. Es war eine Frau mittleren Alters, die das Café betrieb und uns umsorgte. Durch ein Missverständnis schenkten wir ihr Reis und Tomatensoße, sowie Gemüse, weil wir dachten sie würde für uns kochen wollen und habe nichts aufgrund des spontanen Besuchs. Sie nahm die Sachen dankend an, für uns gab es noch Kaffee und Tee dann aber abends traditionellen Couscous. Immerhin hatten wir weniger Gewicht und trotzdem noch genug für die nächsten Tage. In dem Café gab es Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheiten dienten, worauf wir sehr gemütlich nächtigten.




07.12.2022

Am nächsten Tag ging es 70 km fast nur gerade aus durch die Wüste. Gegen 15 Uhr erreichten wir die Oase inmitten der Wüste: Ksar Ghilan. Thermische Quellen sorgten hier für die Wasserversorgung, wodurch es auch heiße Quellen zum Baden gab. Eine schöne Abwechslung und zum ersten Mal in Badesachen in Tunesien. Dromedare gab's hier auch jede Menge, wir fanden eine herrenlose Herde und konnten uns ein wenig gegenseitig beschnuppern. Wir schliefen traditionell in einem Zelt und bekamen auch ein leckeres gesundes Abendmenü.


08.12.2022

Nach einem sehr süßen Frühstück ging es los. Wir hatten heute über 100km vor uns. Wir wollten schnell nach Tatoiune fahren, wo wir auch schon eine tolle Herberge gebucht haben. Da kann man ja auch mal ein bisschen mehr fahren, dachten wir. Zudem wollten wir noch eine Abkürzung fahren, die uns fast 20km erspart hätte, ging aber nicht, weil wir im Sand stecken blieben. Also 1 Stunde Zeitverlust. Leider ging es mir nicht so super. Die Straßen sind rau, leichter Gegenwind und immer nur gerade aus und mit leichtem Anstieg. Und mir tat noch alles weh von den 2 Tagen zuvor. Es war wirklich sehr hart, schon ab Kilometer 50 wollte ich eigentlich nicht mehr. Unterwegs hatten wir die Möglichkeit verschiedene Routen zu wählen. Da es schon langsam dunkel wurde, hatten wir uns für die kürzere Strecke entschieden, dafür aber 20 Kilometer Schotterpiste, die zwischendurch weich und sandig wurde. Mit einem 50 schweren Kilo Fahrrad eine echte Herausforderung. Endlich erreichten wir festen Untergrund sowie das wunderschöne Bergdorf Chicheni. Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass uns eine so herrliche Landschaft in der Abendsonne erwartete. Gott sei dank ging es ab hier nur noch runter. Völlig entkräftet erreichten wir gegen 18 Uhr den Ort Tataouine inmitten der Wüste. Zu wenig Energie, um noch ein Restaurant aufzusuchen, gab es einfach nur Fast Food; fettiges Baguette und anschließend fielen wir todmüde ins Bett.


09.12.2022

Wir brauchten einen Tag Pause. Jedoch hatten wir die Fähre nach Palermo im Nacken, die wir bereits gebucht hatten, um am Weihnachten bei der Familie zu sein. Haben uns ein bisschen um die weitere Planung gekümmert und Wäsche gewaschen. Große Herausforderung in einer Wüste. 2 Tüten voll Wäsche hätten uns fast 30 Euro gekostet, daher hieß es, selbst ist die Frau und Handwäsche! An sich kein Problem, aber es gab schon den ganzen Morgen kein Wasser im Hostel. Daher haben wir mit unseren letzten Überbleibsel die Wäsche gewaschen und wollten anschließend endlich mit einem Bus zur unserer Sightseeing Tour. Aber Freitags ist hier Feiertag und wir warteten vergeblich auf einen Bus. Aber unser Hostelbesitzer hat uns ein günstiges Taxi organisiert und so konnten wir die Berberorte bequem als Privattour besuchen. Den Abend zuvor wurden wir sehr kurios vom einem Fremden vor dem Hostel für den heutigen Abend zum Essen eingeladen. Wir waren eigentlich müde und hatten noch einiges zu tun, aber er war so hartnäckig, dass wir um 7 vom Taxi abgeholt wurden. Uns erwartete ein sehr schöner Abend bei Habib und Naima, einem Ehepaar mit 3 sehr süßen Kindern. Sie bekochten uns feierlich mit Couscous und Tajine, es schmeckte grandios. Dann gab es Kaffee und zuletzt tradionellen Tee im Salon. Wir durften uns 20 Videos von tunesischen Hochzeiten anschauen und ich bekam sogar ein Berber Henna Tattoo an die Hand.


10.12.2022

Heute ging es weiter zu den letzten Star Wars Orten. Es waren insgesamt 140km, die wir uns auf 2 Tage aufteilen wollten. Man sagte uns den Tag zuvor noch, dass es hier seit 3 Jahren nicht mehr geregnet hätte und gerade heute hatten wir wohl das große Los gezogen: 30km berghoch mit 25km/h Gegenwind UND strömender Regen. Dadurch wurde es extrem kalt für uns, aber wir kämpften uns die 30 Kilometer bis zum Ksar Soltane. Dort hat der Regen dann so langsam aufgehört, wir bekamen einen Kaffee, und machten erstmal eine Brotzeit. Anschließend mussten wir noch 40km weiter bis in die Stadt Medenine. Eigentlich wollten wir zelten, aber der Wind wurde nun zum Sandsturm und wir mussten daher irgendwo hin, wo es zumindest windstill war. Wir fuhren mitten ins Zentrum, wo das Armenvietel in Star Wars gedreht wurde. Ein älterer Herr kam direkt auf uns zu in der vereinsamten Straße und fragte ob wir das Musuem suchten. Wir verneinten, aber fragten nach einem Hotel.

Da meinte er, wir könnten im Berbermuseum schlafen. Das ließen wir uns nicht entgehen, bekamen eine Führung und durften uns eine "Höhle" aussuchen. Diese war sehr spartanisch mit nur Matratzen, Kissen und Decken eingerichtet. Wohnen und schlafen wie ein Berber. Aber es war sehr gemütlich und es gab sogar Strom. Wir waren inmitten einer lauten großen Stadt, aber im Berberdorf war alles ganz still. Der alte Chef wollte uns noch was zu Abendessen machen, doch wir hatten selbst genug essen dabei, was wir noch kochen mussten. Netterweise durften wir dafür seine Küche benutzen.


11.12.2022

Heute waren 70km geplant. Am Morgen haben wir noch das tolle Frühstück von unserem Gastgeber genossen und beim rausfahren einen versteckten Marktplatz entdeckt, den wir natürlich uns noch schnell anschauen mussten. Dann ging es mal wieder viel zu spät los in die Berge. Wir wollten nach Matmata, ein Ort, indem die Einheimischen Berber früher in Erdhöhlen gelebt haben, um der Hitze so zu entfliehen. Manche der Erdlöcher sind sogar noch belebt, die meisten werden jedoch als Hotels verwendet. Wir fuhren durch das wunderschöne Toujene, ein Bergdorf mit atemberaubender Aussicht bis zur Küste Tunesiens. Wir machten eine Brotzeit mit dieser Aussicht und gönnten uns noch einen türkischen Kaffee. Die Tunesier wissen, was guter Kaffee bedeutet. Dann wurde es echt hart, krasserer Wind und hoch und runter. Ich hatte am nächsten Tag Muskelkater in der Armen, vom Wind ausgleichen. Es war eine wunderschöne Kulisse, vor allem mit der untergehenden Sonne. Völlig erschöpft erreichten wir das Hotel Sidi Idriss, was gleichzeitig ein Star Wars Drehort war. Zudem bekamen wir noch ein tolles Abendmenü und hatten eine ruhige Nacht in der Höhle.


12.12.2022

Heute war ein entspannter Tag geplant. Wir hatten nur 45km bis nach Gabés an die Küste und zudem ging es nur bergab. An der Strand Promenade gab es einen Schokocrêpes mit Cappuccino und setzten uns bei den 25°C noch an den Strand in die Sonne. Gegen Nachmittag ging es zu Nasr und seiner Familie, ein Warmshower Gastgeber, der uns aufnahm und auch verpflegte.


13.-14.12.2022

Nasr empfahl uns den Zug zu nehmen um die 400 km zu überbrücken, denn uns blieben nur noch 4 Tage bis zur Abfahrt unserer Fähre. Er gab uns noch eine kleine Sightseeing Tour mit dem Rad durch Gabés und brachte uns anschließend zum Zug. Der Zug war gefühlt 50 Jahre alt und wurde noch von einer Diesellokomotive angetrieben. Unsere Räder wurden im Vorraum des Generatorwagens geparkt. Der Schaffner hat uns empfohlen bei jeden Halt nach den Rädern schauen. Diese erreichten wir über den extrem lauten Generatorraum, was in Deutschland undenkbar wäre. Der Zug fuhr über 6h und hielt ca. 20 mal. Bei jeder Station wurde es immer voller und dazu noch immer wärmer, was die Fahrt nicht besonders angenehm machte. Aber man kam zwischendurch mal ins Gespräch mit den Nachbarn und traf noch einen anderen einheimischen Bikepacker. Gegen 18 Uhr waren wir da und fuhren noch 10 km in unser Hotel, welches wir für 2 Nächte gebucht haben, um mal einen Tag zu entspannen. Das Hotel war mit ca. 20€ die Nacht sehr günstig und hatte sogar einen Pool und es gab Frühstück.


15.-17.12.2022



90 km. Letzte große Tour von Hammamet bis nach Tunis. Wir hatten Rückenwind und fuhren teils an der Küste entlang. Die Strecke war wirklich gut und es ging super schnell voran. Wir fuhren auch über eine riesige Autobrücke, die ein bisschen an die Hamburger Köhlbrandbrücke erinnerte. Es ging zudem wie schon so oft am Rand einer Bundesstraße entlang, was in Deutschland gar nicht möglich gewesen wäre. Nun hatten wir noch 2 Tage in Tunis, wo wir uns etwas treiben ließen. Am 17. geht es über die Ruinen Karthagos Richtung Hafen. Dort wartet dann die Fähre nach Palermo auf uns. Mal wieder europäischer Boden unter den Füßen.


Uns hat Tunesien total überrascht. Nach den leider unzähligen Müllbergen lernten wir die Vielseitigkeit der Landschaften zu schätzen und vor allem beeindruckte uns die unglaubliche Gastfreundschaft der Tunesier, die wir so in der Art noch nie zuvor erfahren haben. Wir wünschten, wir hätten mehr Zeit in dem Land verbracht und empfehlen jedem eine Reise nach Tunesien.


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