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  • AutorenbildJuli

Erste Eindrücke in Tunesien


25.11.2022

Wir sind gut angekommen und haben auf Umwegen in der Nacht die Jugendherberge von Tunis inmitten der Medina gefunden. Es sah eher aus wie ein kleiner Palast, und war super liebevoll eingerichtet.



26.11.2022

Am nächsten Tag wollten wir richtig zeitig los. Marc hatte die 3 Wochen durchgeplant, wo jeden Tag im Schnitt 70km anfallen würden. Aber wir verquatschen uns mit einem türkischen Mitbewohner und kamen erst gegen 10 los. Es ging direkt durch den Süden Tunis, anscheinend nicht gerade der beste Stadtteil, da wir von mehreren Menschen auf arabisch / französisch gewarnt wurden, dass es hier keine gute Gegend war und uns gleich alles geklaut wird. Es kam ein heftiger Regenschauer, der uns bis auf der Unterhose nass machte. Zudem waren wir echt geschockt von dem Müll, der hier überall lag. Man dachte man fährt auf einer Müllhalde. Anscheinend gibt es hier keine Müllabfuhr, wirklich alles liegt auf Haufen und am Straßenrand: vom Kinderwagen, leeren Dosen, Millionen von Plastiktüten bis zu Waschmaschinen.

Es regnete den Tag echt noch häufig, wir hatten auch einige Höhenmeter und zu allem Glück mega Gegenwind. Ich überredete Marc ein Airbnb zu nehmen, und wir waren überaus glücklich darüber, als wir um 6 Uhr bei völliger Dunkelheit und 12 Grad komplett nass und bibbernd vor dem Airbnb standen. Wir kochten uns noch etwas und wärmten uns auf, ein echt harter 1. Tag.


27.11.2022

Es war wieder Regen und starker Wind vorhergesagt. Daher zogen wir uns warm und regenfest an. Der Wetterumschwung ist doch etwas heftig, ich würde sagen 5-10 Grad kälter als Marocco. Aber der Wettergott war heute gütig mit uns, wir hatten kaum Regen, sind immer schnell wieder davon weggefahren. Zudem hatten wir so starken Rückenwind, dass es wirklich Spaß machte, fast 90km zu fahren. Wenn man mal kurz zurück musste, war es wirklich eine Qual. Windböen bis zu 30km/h. Wir suchten uns einen Platz zum Zelten auf einer Olivenplantage. Wir waren noch etwas am überlegen, als plötzlich ein Lastwagenfahrer uns entdeckte und direkt auf uns zusteuerte.

Wir fragten direkt, ob wir hier zelten dürfen. Das wäre gar kein Problem, sagte Hamza, ein Lehrer, der perfektes Englisch sprach und er fragte, ob wir sonst noch was brauchen. Ich fragte ihn ob er den Wind abschalten könnte. Er antwortete darauf, dass könnte nur Gott. Aber wir könnten in der Hütte des Feldes schlafen. Er gab uns den Schlüssel, bat uns noch Kaffee und Tee an und ließ uns Baguette da. Wir haben heute und gestern auch in jedem Shop was geschenkt bekommen: Pfannkuchen, Spinat, Fenchel, Kekse, Baguette. Die Leute sind wirklich sehr hilfsbereit und lieb, obwohl sie vielleicht nicht auf den ersten Blick so wirken. Gerade Cafés sind meist gefüllt von ausschließlich Männer. Sie starren uns oftmals alle an. Da kostet es manchmal schon Überwindung, einfach die Räder zu parkieren und entschlossen in das Café zu gehen. Aber man muss einfach freundlich grüßen und schon heißt uns der Kellner willkommen.


28.11.2022

Die Nacht war in Ordnung. Ein 80cm Bett ist doch etwas eng für zwei. Wir sind um 8 Uhr losgedüst und wollten wieder Strecke machen. Eigentlich hatten wir einen ziemlichen öden Tag mit netter Kulisse, aber immer gerade aus an einer stark befahrenen Straße. An manchen Dingen muss man sich erstmal gewöhnen. Man findet hier kaum ein Restaurant, in welchem kein Schaf kopfüber zum Ausbluten davor hängt. Bei dem Anblick bzw dem Geruch vergeht mir meist der Hunger.

Zudem sind die Hunde hier etwas territorialer, gerne kommen sie mal im Rudel aus dem Gelände über hundert Meter angehechtet und machen sich einen Spaß daraus, uns anzubellen wie verrückt. Mir sinkt da schon ab und an das Herz in die Hose, aber ich halte an dem Spruch, "Hunde die bellen, beißen nicht" fest, und so war es bisher auch.

Der Tag neigte sich dem Ende und wir waren auf Schlafplatzsuche. Tatsächlich gab es hier in der Gegend keine Unterkünfte und wir mussten campen.

Wir kamen auf die Idee, einfach einen Olivenbaumplantagenbesitzer zu fragen, bei ihm auf den Wiesen campen zu dürfen. Gesagt getan, Marc ging mutig auf einen Hof zu, ließ sich nicht vom Hundegebell abschrecken und fand den Besitzer und ja wir durften bleiben. Wir hatten einen schönen Abend, bauten das Zelt auf und wollten loskochen, da meinte er, wir spinnen wohl, es gibt was vom Haus. Es gab lecker selbstgebackenes Brot mit eigenem Olivenöl, Orangen, Granatapfel, Tee, Kaffee, Fisch, Mandeln und Süßes. Da die Abende hier kalt sind (ca. 10 Grad) auch eine kuschelige Decke sowie ein Lagerfeuer. Mit seiner Tochter Abla konnten wir uns mit Google Translate ganz gut unterhalten. Sie fragten uns auch, ob wir nicht länger bleiben wollten und wieder nach Tunesien zurückkehren. Eine sehr liebe Familie, sie sind utra herzlich. Mit sehr viel mehr Körperkontakt wie wir es kennen. Küsschen und Händehalten inklusive.



29.11.2022

Am nächsten Morgen wurden wir liebevoll von der Familie verabschiedet. Wir dürfen jederzeit wieder kommen und sollen vorsichtig sein. Auf ging es immer gerade aus auf einer Straße. Wir legten an diese Tag 80km zurück, da wir wieder Rückenwind hatten. In einem Dorf wurde ich von Kindern angehalten, kleine halbwüchsige, sehr freche Jungs. Die machten meine Taschen auf und wollten Sachen stibitzen. Aber ein Erwachsener ermahnte sie, sodass sie die Sachen wieder fallen ließen. Am Ende flohen wir von den Kindern, die neben uns her rannten wir vor den wild gewordenen Hunden.

Eine Hetzjagd mit Hunden konnten wir nun auch mal filmen. Sobald man langsamer wird wissen sie nicht so recht was tun. Daher macht es schon manchmal etwas Spaß zu schauen, wer eigentlich schneller ist. Gegen 16 Uhr fanden wir eine verlassene Hütte, 50 Meter von der Straße entfernt, die sich hervorragend als Nachtlager eignete. Wir mussten kein Zelt aufbauen und konnten sogar ein Lagerfeuer auf unserer "Veranda" machen. Die einzelnen Räume waren komplett leer. Lediglich der Boden musste an der Stelle etwas geputzt werden, wo die Isomatte mit den Schlafsäcken hin sollte.


30.11.2022

Wir starteten heute früh mit den ersten Sonnenstrahlen und konnten schon schon vor 12 die 60km bis zur Stadt Gafsa zurückgelegt. Mittwochs kommt wohl immer der Zug und die Stadt war brechend voll und wir schwammen im absoluten Verkehrschaos einfach mit. Dann gab es Pizza und anschließend ging es zum Airbnb, wo wir endlich nach 4 Tagen duschten und unsere Klamotten waschen konnten. Am nächsten Tag soll es wieder früh los gehen, um den ersten der vielen Star Wars Drehorte in Tunesien zu erreichen.

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